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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Steinsalz und Kalisalze (Bromgewinnung). 
Stassfurt, Leopoldshall und Umgegend. Das Salzlager 1 ) in 
Stassfurt und Leopoldshall ist dem Buntsandstein, seinem Deckgebirge, 
sowohl nach Streichen als nach Fallen stets conform gelagert. Unter 
dem Gyps- und Anhydritlager folgt der für das ganze Lager charak 
teristische schwarzgraue Thon mit Steinsalzeinschlüssen, 27 m mäch 
tig, und in 256 m Tiefe im preussischen (bei 150 m im anhai 
tischen) Salzschacht beginnt das grosse Salzlager mit abwechselnden 
Schichten von Stein- und Kalisalz, die mit 44 Grad gegen Süd west 
einfallen. Das hängendste Glied, die Carnallitregion, d. h. die Kali 
salzabtheilung, besteht aus abwechselnden Schichten von Carnallit, 
Kieserit und Steinsalz und ist 42 Meter mächtig. Die darunter folgende, 
56 Meter mächtige Kieseritregion besteht aus Kieserit (wasserhaltigem 
schwefelsaurem Magnesium), mit Steinsalzbänken abwechselnd; darunter 
liegt die 63 m mächtige Polyhalitregion, Steinsalz, durch wenig Magne 
sium- und Kaliumsalze verunreinigt mit Polyhalitschnüren; darunter 
folgt das reine Steinsalz mit Anhydritschnüren, die Anhydritregion 
von 215 m Mächtigkeit. An dem Ausgehenden der Carnallitregion 
tritt an die Stelle der Schichtenfolge von Carnallit, Kieserit und Stein 
salz das 1865 in Leopoldshall gefundene, als Kainit bezeichnete Salz, 
jedoch innig mit Steinsalz gemengt auf. Kainit ist K 2 S0 4 -j- Mg S0 4 
-f- Mg CL -f- 6 aq; die durchschnittliche Zusammensetzung des Salz 
gemenges enthält 25 p. C. schwefelsaures Kalium. Im Ansteigen wird 
das Kainitlager durch zunehmenden Chlornatriumgehalt unbauwürdig. 
Auf dem Südflügel liegt im Kainit eine anscheinend linsenförmige Ein 
lagerung eines Salzgemenges aus Steinsalz, Sylvin und Kieserit, in 
Stassfurt als „hartes Salz“ bezeichnet, dessen Verwendung trotz viel 
facher Versuche bis jetzt nicht vollkommen gelungen ist. Beide Salz 
gemenge sind höchst wahrscheinlich auf nassem Wege vorgegangene 
Umbildungen der Salze der Carnallitregion. 
Ostnordöstlich von Stassfurt am linken Ufer der Bode hat die 
Bohrung der Herren Riebeck, Lehmann und G. Bischof die Fort 
setzung des Salzlagers nachgewiesen. Bei 24P5 m wurde zuerst 
gesättigte reine Soole erbohrt, in grösserer Tiefe fand sich ein Kali 
gehalt. 
Bei den Bohrungen des Grubenfeldes Agathe im Norden und 
Nordwesten des Stassfurter fiskalischen Grubenfeldes, etwa zwischen 
Stassfurt und Unseburg, ist ein wohl dem Hangenden des Stassfurter 
*) Prietze, Zeitsehr. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preuss. 
Staate XXI, 119, 1873; vergl. auch S. 351 dieses Berichtes.
	        
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