420 Gruppe III. Chemische Industrie.
Formel Ca0.2CaS entspricht. Scheurer-Kestner 7 ) findet dagegen,
dass dieses Verhältniss veränderlich ist, je nach den relativen Mengen
ursprünglich angewandten Glaubersalzes und Kalksteins, und dass die
Rückstände aus verschiedenen Fabriken in ihrer Zusammensetzung
zwischen CaS und Ca0.2CaS schwanken. E. Kopp 2 ) theilt hierauf
weitere Beobachtungen mit, welche für eine chemische Verbindung des
Schwefelcalciums mit Kalk sprechen, nämlich: 1) Der Sodaauslaugungs
rückstand wirkt auf Natriumcarbonatlösung nicht in dem Grade kausti-
cirend ein, wie eine dem Kalkgehalt desselben entsprechende Menge
von freiem Aetzkalk. 2) Ebenso besitzt der Sodarückstand nicht das
Vermögen, bei Einwirkung auf Natriumcarbonat in demselben Grade
Schwefelnatrium bildend zu reagiren, wie reines Schwefelcalcium. 3) Der
Rückstand vermag nicht wie der freie Kalk aus einer Lösung von
Manganchlorür einen Niederschlag von Manganhydroxydul auszufällen.
4) Digerirt man ein künstliches Gemenge von 2CaS und 1 CaO mit
Wasser, so entsteht eine Masse, welche weder auf Natriumcarbonat noch
auf Manganchlorür reagirt, und die sich verhält wie der wirkliche
Sodarückstand. Es scheint also chemische Verbindung eingetreten zu
sein. — P. W. Hofmann 3 ) erwähnt, dass beim Glühen von 2CaSO4
mit 1 CaO und Kohle ein Oxysulfid CaO. 2 CaS entstehe, und ein grös
serer Zusatz von Kalk unverbunden beigemischt bleibe. Das Product
soll auf Sodalösung nicht kausticirend einwirken. Pelouze 4 ) erhielt
dagegen bei Wiederholung des Versuchs ein Gemenge von CaS und
CaC0 3 , welches auf Natriumcarbonat nicht reagirte. Wurde aber bei
dem Processe eine hohe Temperatur angewandt, so enthielt das Product
auch Aetzkalk und brachte dann bei der Einwirkung auf Sodalösung
Bildung von Aetznatron hervor.
Gegen das Calciumoxysulfid erklärten sich namentlich
Scheurer-Kestner 6 ), J. Kolb 6 ), Pelouze 7 ), Th. Petersen 8 ) und
Dubrunfaut 9 ). Ihre Versuche bestätigen zunächst die schon früher
als Gegenbeweise vorgebrachten Thatsaehen, nämlich: 1) Die geringe
Löslichkeit des Schwefelcalciums in Wasser (1000 Thle. Wasser lösen bei
gewöhnlicher Temperatur 0'08 Thle. CaS nach Scheurer-Kestner),
0’23 nach Kolb, 1 bis 15 nach Pelouze) sowie die langsame Zersetz
barkeit desselben durch Sodalösung; 2) das Nichtvorhandensein von
i) Scheurer-Kestner, Compt. rend. LXI, 640; Wagn. Jahresber. 1865,
247. 2 )- E. Kopp, Compt. rend. LXI, 796; Wagn. Jahresber. 1865, 248.
8 ) P. W. Hof manu, Compt. rend. LXII, 291; Wagn. Jahresber. 1866, 169.
4 ) Pelouze, Compt. rend. LXIX, 315, Wagn. Jahresber. 1866, 169.
6 ) Scheurer-Kestner, Compt. rend. LVII, 1013; LVIII, 501; Wagn.
Jahresber. 1864, 173. c ) J. Kolb; Ami. Chim. Pliys. [4] VII, 118; Wagn.
Jahresber. 1866, 136. 7 ) Pelouze, Compt. rend. LXII, 315; Wagn.
Jahresber. 1866, 166. 8 ) Th. Petersen, Wagn. Jahresber. 1866, 164.
9 ) Dubrunfaut, Jahresber. Wagn. 1864, 177.