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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

423

Die  Soda-Industrie.
Neue  Versuche  liegen  zunächst  von  Scheurer-Kestner*)  vor.
Derselbe  fand  erstens,  dass  wenn  Schwefelnatrium  mit  verschiedenen
Mengen  von  Calciumcarbonat  geglüht  wird,  eine  diesen  letzteren  äquivalente ­
  Menge  Natriumcarbonat  entsteht,  also  vollständige  Umsetzung
zwischen  beiden  Körpern  stattfindet.  In  Uebereinstimmung  mit  früheren
Angaben  von  Unger  beobachtete  er  zweitens,  dass  beim  Erhitzen  von
Natriumsulfat  mit  Kohle  in  einer  Retorte  sich  stets  nur  Kohlensäure
entwickelt,  kein  Kohlenoxyd,  gleichgültig  welche  von  den  beiden  Substanzen ­
  im  Ueberschuss  vorhanden  ist.  Durch  Glühen  eines  Gemenges
von  Kreide  mit  Kohle  erhielt  er  dagegen  vorwiegend  Kohlenoxyd
(88  p.  C.  auf  12  p.C.  C0 2 ),  wobei  die  Zersetzung  indess  erst  bei  weit
höherer  Temperatur  stattfindet,  als  die  Reduction  des  Sulfats.  Demzufolge
theilt  Seheurer-Kestner  den  nach  ihm  beim  Sodabildungsprocesse
stattfindenden  Gesammtvorgang:
5Na 3 S0 4  4  7CaC0 3  +  12  C  =  5Na. 3 C0 3  4  5CaS
4  2CaO  -(-  10C0 2  -f-  4CO
in  folgende  drei  nach  einander  stattfindende  Reactionen:
a.  5Na 2 S0 4  4  IOC  =  5Na 2 S  -f  10C0 2
b.  5Na 2 S  +  5  CaC0 3  =  5Na 2 C0 3  4  5CaS
c.  2  CaC0 3  +  2C  =  2  CaO  4  4CO.
Diese  Theorie  nimmt  also  an,  dass  die  zur  Sodabildung  nöthige
Menge  von  Kohlensäure  ausschliesslich  aus  dem  Calciumcarbonat
herstammt.
Zu  einer  von  der  obigen  abweichenden  Ansicht  kam  J.  Kolb 2 ),
und  zwar  auf  Grund  folgender  Versuche:  Er  setzte  zwei  Retorten,  von
welchen  die  eine  ein  Gemenge  von  Glaubersalz  und  Kohle,  die  andere
Kreide  mit  Kohle  enthielt,  in  demselben  Ofen  einer  allmählich  gesteigerten ­
  Temperatur  aus  und  fand,  dass  sich  bei  schwacher  Rothglühhitze
fast  gleichzeitig  aus  der  ersten  Retorte  Kohlensäure,  aus  der  zweiten
Kohlenoxydgas  entwickelte.  Reine  Kreide,  welche  in  einer  dritten
Retorte  befindlich  war,  gab  dagegen  erst  Kohlensäure  ab,  als  lebhaftes
Rothglühen  eingetreten  war.  Als  eine  Mischung  vonNa 2 S0 4  +  CaC0 3
4-  3  C  erhitzt  wurde,  fand  Entwickelung  eines  Gemenges  von  Kohlensäure ­
  und  Kohlenoxyd  statt,  die  Kohle  wirkte  daher  gleichzeitig  auf
beide  Körper  ein.  Wenn  somit  während  der  Reduction  des  Natriumsulfats ­
  zu  Schwefelnatrium  auch  zugleich  das  Calciumcarbonat  in  Kalk
übergeht,  so  ist  keine  Sodabildung  durch  die  Reaction:  Na 2  S  4  CaC0 3  =
Na 2 C0 3  4  CaS  mehr  möglich,  und  es  muss  daher  auch  gleichgültig
sein,  ob  man  in  der  Sodamischung  Calciumcarbonat  oder  statt  dessen
eine  entsprechende  Menge  gebrannten  Kalk  oder  auch  Kalkhydrat  anl)
  Seheurer-Kestner,  Compt.  rend.  LYIII,  501;  LIX,  659;  Wagn.
Jahresber.  1864,  173.  2 )  J.  Kolb,  Ann.  Chim.  Phys.  [4]  VII,  118;  Wagn.
Jahresber.  1866,  141.
            
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