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Die Soda-Industrie.
Neue Versuche liegen zunächst von Scheurer-Kestner*) vor.
Derselbe fand erstens, dass wenn Schwefelnatrium mit verschiedenen
Mengen von Calciumcarbonat geglüht wird, eine diesen letzteren äquivalente
Menge Natriumcarbonat entsteht, also vollständige Umsetzung
zwischen beiden Körpern stattfindet. In Uebereinstimmung mit früheren
Angaben von Unger beobachtete er zweitens, dass beim Erhitzen von
Natriumsulfat mit Kohle in einer Retorte sich stets nur Kohlensäure
entwickelt, kein Kohlenoxyd, gleichgültig welche von den beiden Substanzen
im Ueberschuss vorhanden ist. Durch Glühen eines Gemenges
von Kreide mit Kohle erhielt er dagegen vorwiegend Kohlenoxyd
(88 p. C. auf 12 p.C. C0 2 ), wobei die Zersetzung indess erst bei weit
höherer Temperatur stattfindet, als die Reduction des Sulfats. Demzufolge
theilt Seheurer-Kestner den nach ihm beim Sodabildungsprocesse
stattfindenden Gesammtvorgang:
5Na 3 S0 4 4 7CaC0 3 + 12 C = 5Na. 3 C0 3 4 5CaS
4 2CaO -(- 10C0 2 -f- 4CO
in folgende drei nach einander stattfindende Reactionen:
a. 5Na 2 S0 4 4 IOC = 5Na 2 S -f 10C0 2
b. 5Na 2 S + 5 CaC0 3 = 5Na 2 C0 3 4 5CaS
c. 2 CaC0 3 + 2C = 2 CaO 4 4CO.
Diese Theorie nimmt also an, dass die zur Sodabildung nöthige
Menge von Kohlensäure ausschliesslich aus dem Calciumcarbonat
herstammt.
Zu einer von der obigen abweichenden Ansicht kam J. Kolb 2 ),
und zwar auf Grund folgender Versuche: Er setzte zwei Retorten, von
welchen die eine ein Gemenge von Glaubersalz und Kohle, die andere
Kreide mit Kohle enthielt, in demselben Ofen einer allmählich gesteigerten
Temperatur aus und fand, dass sich bei schwacher Rothglühhitze
fast gleichzeitig aus der ersten Retorte Kohlensäure, aus der zweiten
Kohlenoxydgas entwickelte. Reine Kreide, welche in einer dritten
Retorte befindlich war, gab dagegen erst Kohlensäure ab, als lebhaftes
Rothglühen eingetreten war. Als eine Mischung vonNa 2 S0 4 + CaC0 3
4- 3 C erhitzt wurde, fand Entwickelung eines Gemenges von Kohlensäure
und Kohlenoxyd statt, die Kohle wirkte daher gleichzeitig auf
beide Körper ein. Wenn somit während der Reduction des Natriumsulfats
zu Schwefelnatrium auch zugleich das Calciumcarbonat in Kalk
übergeht, so ist keine Sodabildung durch die Reaction: Na 2 S 4 CaC0 3 =
Na 2 C0 3 4 CaS mehr möglich, und es muss daher auch gleichgültig
sein, ob man in der Sodamischung Calciumcarbonat oder statt dessen
eine entsprechende Menge gebrannten Kalk oder auch Kalkhydrat anl)
Seheurer-Kestner, Compt. rend. LYIII, 501; LIX, 659; Wagn.
Jahresber. 1864, 173. 2 ) J. Kolb, Ann. Chim. Phys. [4] VII, 118; Wagn.
Jahresber. 1866, 141.