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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Dieselben betreffen zunächst das zweckmässigste Verhältniss 
zwischen den drei B est an dtheilen der Leblane’schen 
Mischung. Da, wie oben nachgewiesen, die Reduction des Natrium 
sulfats unter Entwickelung von Kohlensäure vor sich geht, und das 
Calciumcarbonat sich in Schwefelcalcium umwandelt, so würde das ein 
fachste Verhältniss der Gleichung: 
Na 2 S O4 -f CaCOa + 2C = Na 2 C0 3 -f- CaS + 2CO ä 
100 -f 70-4 -f 16*9 == 74-6 + 50'7 + 62 Gewthln. 
entsprechen. Die Praxis hat aber gezeigt, dass die Menge der 
Kreide (Kalkstein) und Kohle vermehrt werden muss, und Leblanc 
gab bereits in seinem im Jahre 1791 genommenen Patente das Verhält 
niss auf 100 Thle. Glaubersalz + 100 Thle. Kreide -f 50 Thlo. Kohle 
an, welche Mengen auch, je nach der Reinheit der Materialien, im 
Wesentlichen beibehalten worden sind '). Durch eine Anzahl im Grossen 
(in der Fabrik von Kuhlmann & Co. in Amiens) angestellter Versuche, 
bei welchen verschiedene Mischungen in einem gut eingerichteten Soda 
ofen unter gleichen Verhältnissen geschmolzen und die Producte nach 
her genau auf die nämliche Weise ausgelaugt wurden, prüfte nun Kolb 
den Einfluss der wechselnden Mengenverhältnisse. Die Resultate sind 
in der Tabelle auf folgender Seite enthalten. 
Man sieht, dass bei Mischung I. fast die Hälfte des Natriumsulfats 
unzersetzt bleibt und dem entsprechend sich auch nur eine geringe 
Sodaausbeute ergiebt. Diese letztere steigert sich bei II., III. und IV. 
immer mehr, erleidet dagegen bei Mischung V. wieder eine Verminde- 
rung, und zugleich tritt bei dieser in Folge des vermehrten Kalkzusatzes 
eine erhebliche Zunahme im Aetznatrongekalt ein. Von den angewandten 
Verhältnissen stellt sich demnach das IV. als das günstigste heraus, 
doch wird dasselbe bei verschiedenen Fabriken wegen Ungleichheit 
der Rohmaterialien und der Bearbeitung selbstverständlich specielle 
Modifieationen erleiden müssen. Der Ueberschuss an Kreide und Kohle, 
welchen die Mischungen III., IV. und V. zeigen und wodurch eine ver 
mehrte Ausbeute an Soda erzielt wurde, kann einmal dadurch günstig 
wiiken, dass die Anzahl der Berührungspunkte in der Masse vermehrt 
und die vollständige Umsetzung des Natriumsulfats in Carbonat gesichert 
wird. Von der Kohle wird ferner stets ein Theil durch den Sauerstoff 
der Feuerluft (welche wenigstens 10 p. C. davon enthält, Scheurer- 
Kestner) verbrannt, oder auch durch die Kohlensäure derselben in 
Kohlenoxyd übergeführt, und ist daher ihre Menge zu gering, wie bei 
Mischung I., II. und III., so bleibt ein Theil Sulfat unzersetzt. Ein 
Ueberschuss an Kreide wirkt endlich auch deshalb vortheilhaft, weil 
der Aetzkalkgehalt der Rohsoda vergrössert wird und dadurch beim 
B Siehe A. W. Hofmann, Reports by the Juries 1862, 21.
	        
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