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Gruppe III. Chemische Industrie.
welches dieselben beim Erhitzen mit Bleioxyd abschieden. Es ergab
sich, dass dieses letztere maassgebend ist und nicht der blosse Gehalt
an reinem Kohlenstoff. Beim Schmelzen einer Anzahl dem Yerhältniss
Na*2SO4 : 1 Vs CaCO-j : 41/g C entsprechender Mischungen, hei, welchen
der Kohlenstoff in Form von Coke, Holzkohle, Steinkohle, Torf, Kohlen-
theerpeeh und Sägespänen angewandt wurde, und zwar in äquivalenten
Mengen gemessen durch das Bleireductionsvermögen, resultirte stets
eine Soda von fast übereinstimmender Beschaffenheit. Auf die Natur
des reducirenden Mittels kommt daher wenig an.
Endlich hat Kolb noch die für den Sodaprocess geeignetste
Temperatur ausfindig zu machen gesucht und gefunden, dass dieselbe
zwischen dem Schmelzpunkt der Bronze und demjenigen des Silbers
liegt. Bei zu hoher Temperatur oder auch wenn die Erhitzung zu
lange fortgesetzt wird, soll durch Einwirkung der Kohle auf die Soda
Natriumoxyd (oder auch Natrium) entstehen, welches sich sodann mit
dem Schwefelcalcium nach der Gleichung: Na 2 0 -f- CaS = Na 2 S -f- CaO
zersetze. Die zu stark erhitzte sogenannte verbrannte Soda zeichne
sich daher stets durch eine erhebliche Menge von Schwefelnatrium aus
und gebe ferner vermöge ihres Kalkgehalts eine ätznatronreiche Lauge.
Natriumsulfat. Die Darstellung des Sulfats aus Kochsalz und
Schwefelsäure hat seit dem Jahre 1863 bezüglich der Construction der
Flammöfen und Muffelöfen wenige Veränderungen erfahren. Eine
ausführliche vergleichende Beurtheilung der beiden Ofenarten hat
Lunge 2 ) gegeben, wobei er als Vorzüge der Muffelöfen hervorhebt: '
1) bessere Condensatio'n der Salzsäure, 2) grössere Concentration der
selben, 3) billigere Construction des Condensationsapparates, 4) An
wendung von Steinkohlen zur Feuerung, — während die Vorzüge der
Flammöfen sind: 1) grössere Production von Sulfat, 2) geringere Repa
raturen, 3) Unmöglichkeit des Entweichens von Säuredämpfen unmittel
bar in den Schornstein, ohne durch den Condensator gegangen zu sein,
4) leichtere Herstellung von hochgradigem Sulfat. Die Vorzüge der
einen Ofenart sind die Nachtheile der anderen. In einpr weiteren
Mittheilung macht Lunge 8 ) auf einen verbesserten Sulfatcalcinirofen
mit Gasfeuerung aufmerksam, bei welchem die Flamme erst durch
mehrere unter der Ofensohle laufende Canäle geht und hierauf wieder
zurück über die Beschickung schlägt. Den Gasen wird soviel Luft in
den Canälen zugemischt, dass keine Abscheidung von Russ stattfinden
kann. Solche Oefen sind seit dem Jahre 1870 in Runcurn (Runeum
So'ap and Alkali Company) mit Vortheil im Gebrauch.
*) A. W. Hofmann, Reports by the Juries 1862, 19; 0. Schräder,
Zeitschr. d. Vereins deutsch. Ing. VI, 435; Wagn. Jahresber. 1863, 248.
3 ) Runge, Dingl. pol. J. CXCIII, 462; Wagn. Jahresber. 1869, 178.
3 ) Lunge, Dingl. pol. J. CCII, 80; Wagn. Jahresber. 1871, 238.