Die Soda-Industrie.
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Er fand Folgendes:
• 1) Schwefelcaleium wird von reinem Wasser nur sehr wenig zer
setzt. 11 Wasser löste nach zweistündigem Kochen nur 0'27 g, nach
48 ständiger Digestion bei
10» 18° 40° 60° 90°
0'15 0'23 0‘30 0'48 0'33 g Schwefelcalcium.
Chlornatrium scheint eine geringe Verminderung, Natriumsulfat
eine geringe \ ermehrung der obigen Löslichkeitsverhältnisse zu be
wirken.
2) Gesättigte Sodalösung wirkt fast gar nicht auf Schwefelcalcium,
dagegen tritt bei steigender V erdünnung immer grössere Zersetzung
ein. Dieselbe wächst ferner durch Erhöhung der Temperatur und der
Digestionsdauer. Gegenwart von Aetznatron in geringer Menge ver
langsamt die Zersetzung bedeutend.
3) Verdünnte Aetznatronlösung (mit 3T5 g Na 2 0 im Liter) zersetzt
sowohl in der Kälte als auch bei der Siedehitze nur Spuren von Schwefel
calcium. Concentrirtere Lösungen (mit 16 bis 79 g Na 2 0 im Liter)
bewirken bei 48 stündiger Digestion und Erwärmen auf 40, 60 oder
100" nach und nach Zersetzung, die um so erheblicher ist, je mehr
Natron in der Flüssigkeit vorkommt.
Die Tabelle auf folgender Seite enthält nähere Angaben über die
Verminderung, welche der Natriumcarbonatgehalt der Flüssigkeit durch
Einwirkung des Schwefelcalciums erleidet, sowie über den Einfluss des
Aetznatrons, welches entweder als solches zugefügt oder mittelst Kalk
erzeugt wurde.
Für die Praxis folgt aus diesen Versuchen, dass es zweckmässig
ist, das Auslaugen der Rohsoda 1) rasch, 2) mit möglichst wenig Was
ser und 3) bei möglichst niedriger Temperatur auszuführen. Je voll
kommener diese Bedingungen erfüllt werden, desto weniger Schwefel
natrium wird die Flüssigkeit enthalten.
Bekanntlich ist die Gegenwart von Schwefelnatrium in den Laugen
besonders dadurch nachtheilig, weil dasselbe auf das in der Rohsoda
stets vorkommende Eisenoxyd ein wirkt und sich mit diesem in Aetznatron
und Schwefeleisenumsetzt, welch letzteres mit einem anderen Theil
Schwefelnatrium zu einem Sulfosalz sich vereinigt. Diese Verbindung
bewirkt schon in kleiner Menge eine , grüne, gelbe oder gelbbraune
Färbung der Laugen und kann auch zu Färbungen der trockenen Soda
Veranlassung geben. lieber das Schwefelnatrium-Schwefeleisen theilt
J. Kolb 1 ) ebenfalls Beobachtungen mit. Er fand, dass Coneentriren
der Flüssigkeit und Steigerung der Temperatur die Bildung desselben
befördert, wogegen es sich beim Verdünnen und Erkalten als schwarzer
] ) Kolb, Ann. Chim. I’hys. [4] -X, 106; Wagn. Jahresber. 1867, 182.
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