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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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Die für die Aufbereitung des Strohs nach diesen neueren Methoden 
nothwendige Menge von Natron ist ziemlich beträchtlich und wurde 
dadurch die Eentabilität der Strohstofffabrikation trotz des billigen 
Rohmaterials sehr vermindert. Man scheint die Möglichkeit einer loh 
nenden Wiedergewinnung des Natrons aus den braunen alkalischen 
Mutterlaugen ganz übersehen zu haben und liess daher dieselben nebst 
den grossen Mengen gefärbter Waschflüssigkeiten einfach in die Bäche 
oder Flüsse ablaufen. 
Die dadurch verursachte Verunreinigung der Flüsse erreichte be 
sonders in einigen Gegenden Englands, wo gleichzeitig grosse Mengen 
von Esparto in ganz ähnlicherWeise verarbeitet wurden, einen solchen 
Grad, dass sich endlich das Parlament der Säche annehmen musste 
und zum Schutze der Flüsse eine Commission einsetzte, welche mit Ent 
schiedenheit auf die Beseitigung des auch noch durch andere Fabri 
kationszweige verursachten und immer mehr überhand nehmenden 
Uebels drang. In Folge dessen sah man sich nun gezwungen, diese 
braunen alkalischen Strohlaugen zu verdampfen und durch Einäschern 
des Rückstandes das Natron wieder zu gewinnen. 
Die Papierfabrikanten betrachteten diese Zwangsmaassregel an 
fangs als eine grosse Last, und entschlossen sich ungern, mit dieser für 
sie neuen chemischen Operation sich zu befassen. Nachdem man aber 
bald vielfache Verbesserungen in den dazu nöthigen Abdampfapparaten 
und in dem Verfahren überhaupt eingeführt hatte, stellte es sich her 
aus, dass die Wiedergewinnung des Natrons die Kosten der Strohstoff 
bereitung nicht unwesentlich reducirt, und es hat dieser Umstand zu 
der endlichen allgemeinen Einführung dieses Fabrikationszweiges sehr 
erheblich beigetragen. 
Für den vorliegenden Zweck erscheint es besonders angemessen 
die ursprüngliche Methode von Mellier anzuführen und zwar nicht 
allein, weil sie überhaupt das erste ausführlich veröffentlichte Verfah 
ren ist, sondern auch, weil sie in Wirklichkeit alle die wesentlichen 
Punkte in sich schliesst, welche noch heute für diese Operation maass 
gebend sind. 
Da das Stroh sehr häufig fremde Pflanzenstoffe und Unreinigkei 
ten enthält, welche der Einwirkung der Chemikalien widerstehen und 
dann später als lästige Verunreinigung im Papier zum Vorschein kom 
men, so ist bei der Darstellung von Strohstoff, welcher für bessere 
Papiere bestimmt ist, vor Allem darauf zu achten, dass durch eine vor 
ausgehende Handscheidung dasjenige möglichst entfernt wird, was der 
Erfahrung nach dem Verkochungsproeess grösseren Widerstand leistet 
als das Stroh selbst. Das ausgesuchte Stroh wird dann durch eine 
Häckselmaschine in etwa 2 cm lange Stückchen geschnitten und diese 
dann durch eine Spreumühle von den schwereren Gliederknoten und 
sandigen Beimengungen möglichst befreit.
	        
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