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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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bewirken eine bessere, sieb fortwährend erneuernde Berührung des 
Strohs mit der Lauge, haben aber den Uebelstand, dass sich der Stroh 
stoff besonders bei zu schneller Bewegung leicht in kleine Knoten zu 
sammenballt, die sich dann nur schwierig in den folgenden Operationen 
zertheilen lassen. 
In den gewöhnlich sehr langen horizontal festliegenden Kesseln 
bringt man zuweilen an einer durch die ganze Länge gehenden Axe 
schraubenförmig gestellte Bührschaufeln an, welche die Masse in gelin 
der Bewegung erhalten und auch dazu dienen, nach der Beendigung der 
Verkochung den Kesselinhalt durch ein am Ende des Kessels angebrach 
tes Mannloch zu entfernen. Diese Art Kessel wird nicht selten durch 
directe Feuerung erhitzt; doch in den meisten Fällen geschieht dieses, 
was immer auch die Construction der Kessel sein mag, durch directes 
Einleiten von entsprechend gespannten oder in selteneren Fällen von 
überhitztem Dampf. 
In Amerika hat man unter Anderem auch eine Modification ein 
geführt, welche darin besteht, dass der aufrecht stehende Kessel unten 
im Inneren mit einer Siebvorrichtung versehen ist, durch welche die 
Lauge während der Operation mittelst einer Centrifugalpumpe abge 
zogen, durch eine lange spiralförmige Bohre, welche in einem Feuer 
raume steht, getrieben wird, um oben in den Digestor wieder einzu 
treten und so die Erhitzung des Kesselinhalts zu bewirken 1 ). 
Ein Verfahren, welches besonders in Deutschland und Oesterreich 
in den letzten Jahren sehr in Aufnahme gekommen ist und welches 
nach allgemeinem Urtheil recht günstige Besultate liefert, wurde von 
Hector J. Lahousse 2 ) eingeführt. 
Nach diesem wird das vorbereitete Strohhäcksel zunächst in einem 
kugelförmigen Kessel vollständig mit starker Natronlauge getränkt, 
nachdem die überschüssige Lauge abgelassen, in einem cylindrischen 
rotirenden Kessel übergefüllt, worin es vier bis sechs Stunden lang mit 
telst Dampf von 60 Pfd. Druck, welcher durch ein im Inneren des Kes 
sels angebrachtes Böhrensystem vertheilt einströmt, erhitzt wird. Nach 
Beendigung dieser Operation wird die Lauge abgelassen und der Inhalt 
im Kessel selbst mit heissem Wasser mehrmals gewaschen, dann im 
Holländer warm gebleicht und endlich durch einen sogenannten Stoff 
raffineur die Zertheilung der noch zusammenhängenden Faserpartien 
vervollständigt. 
Um nach dieser Methode 100 Kilo gebleichten, lufttrocknen Stroh 
stoff zu erzeugen, braucht man 200 Kilo Stroh, 26 Kilo kaustische Soda 
und 10 Kilo Chlorkalk. 
*) John Dixon, Patent in Amerika 1864. 2 ) Lahousse, Die Pa 
pierindustrie von Dr. Rud. Weber. Amtl. Bericht über die Wiener Welt 
ausstellung 1873. Braunschweig 1874. E. Twerdy, Offic. Ausstellungsber. 
Papierindustrie, Wien 1873.
	        
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