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Gruppe III. Chemische Industrie.
Die Zellen, welche die Stroharten zusammensetzen, sind nicht
gleichartig, und obwohl die Hauptmasse aus den derberen Bastzellen
oder Fibrovasalbündeln besteht, tritt ein nicht unwesentlicher Theil in
der Form von Oberhautzellen und dünnwandigen Gefässen auf, welche
der lösenden Wirkung der Alkalien weniger Widerstand leisten. Gegen
die Aussenseite des Halmes sind die Zellen besonders dicht aneinander
gedrängt und es leistet daher dieser Theil dem Eindringen und der
Wii-kung der alkalischen Lauge längeren Widerstand.
Obwohl die Bastzellen der Stroharten sich von der sehr ähnlichen
Bastzelle des Flachses durch eine geringere Wandverdickung unterscheiden
und dieser an Festigkeit nicht gleichkommen können, selbst
wenn sie frei von Incrnstation wären, so lässt sich doch aus Stroh
durch besonders vorsichtig geleitete und langsame Behandlung eine
Faser abscheiden, welche selbst das beste fabrikmässig dargestellte Product
weit übertrifft. Es mag dies als Beweis dienen, dass der Faser
des Strohs an und für sich nicht jene Eigenschaften zukommen, welche
dieselbe häufig in so unvortheilhafter Weise charakterisiren, sondern
dass diese vielmehr durch die Unvollkommenheit des Aufbereitungsprocesses
hervorgebracht werden.
Die früher allgemein verbreitete Ansicht, dass die Kieselsäure
derjenige Körper ist, welcher die Festigkeit der Halmen der Gramineen
bedingt und den Fasern derselben die charakteristische Starrheit verleiht,
hat sich, wie es scheint, unter den Technikern, welche sich mit
Strohstofffabrikation befassen, nicht allein erhalten, sondern es wird von
dieser Seite auch der Widerstand, welchen die Strohsubstanz dem Aufbereitungsprocess
überhaupt entgegensetzt, noch häufig dieser offenbar
unschuldigen Substanz zugeschrieben. Nicht selten wird daher der
chemische Zerfaserungsprocess des Strohs geradezu „Entkieselung“ genannt
!).
Obgleich nun die Unzulässigkeit dieser Ansicht sich aus dem, was
in der allgemeinen Einleitung über die Natur des Zellengewebes erwähnt
wurde, von selbst ergiebt, so dürfte es hier vielleicht doch am
Platze sein, noch einige weitere Gegengründe anzuführen.
Der Gehalt der Kieselsäure variirt nicht allein in den verschiedenen
Stroharten , sondern auch in derselben Art sehr beträchtlich und
zwar ohne, dass dieses auf die Natur der Strohsubstanz einen bemerkliehen
Einfluss hat. Wie die 2'5 bis 5'0 p. C. betragende Menge von
Kieselsäure in einer so voluminösen Substanz wie Stroh ein solch wunderbares
Bindemittel abgeben kann, wäre selbst unter der Voraussetzung
undenkbar, dass die ganze Menge derselben ausserhalb der
Zellenwände angelagert sei und so gleichsam die Intercellularsubstanz
1 ) Hahn, Deutsch. Industrieztg. 1871, 133; Dingt, pol. J. CC, 332;
Wagn. Jahresber. 1871, 381; 0. Krieg, Dingl. pol. J. CXCVI, 571.