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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Die  Zellen,  welche  die  Stroharten  zusammensetzen,  sind  nicht
gleichartig,  und  obwohl  die  Hauptmasse  aus  den  derberen  Bastzellen
oder  Fibrovasalbündeln  besteht,  tritt  ein  nicht  unwesentlicher  Theil  in
der  Form  von  Oberhautzellen  und  dünnwandigen  Gefässen  auf,  welche
der  lösenden  Wirkung  der  Alkalien  weniger  Widerstand  leisten.  Gegen
die  Aussenseite  des  Halmes  sind  die  Zellen  besonders  dicht  aneinander
gedrängt  und  es  leistet  daher  dieser  Theil  dem  Eindringen  und  der
Wii-kung  der  alkalischen  Lauge  längeren  Widerstand.
Obwohl  die  Bastzellen  der  Stroharten  sich  von  der  sehr  ähnlichen
Bastzelle  des  Flachses  durch  eine  geringere  Wandverdickung  unterscheiden ­
  und  dieser  an  Festigkeit  nicht  gleichkommen  können,  selbst
wenn  sie  frei  von  Incrnstation  wären,  so  lässt  sich  doch  aus  Stroh
durch  besonders  vorsichtig  geleitete  und  langsame  Behandlung  eine
Faser  abscheiden,  welche  selbst  das  beste  fabrikmässig  dargestellte  Product ­
  weit  übertrifft.  Es  mag  dies  als  Beweis  dienen,  dass  der  Faser
des  Strohs  an  und  für  sich  nicht  jene  Eigenschaften  zukommen,  welche
dieselbe  häufig  in  so  unvortheilhafter  Weise  charakterisiren,  sondern
dass  diese  vielmehr  durch  die  Unvollkommenheit  des  Aufbereitungsprocesses
  hervorgebracht  werden.
Die  früher  allgemein  verbreitete  Ansicht,  dass  die  Kieselsäure
derjenige  Körper  ist,  welcher  die  Festigkeit  der  Halmen  der  Gramineen
bedingt  und  den  Fasern  derselben  die  charakteristische  Starrheit  verleiht, ­
  hat  sich,  wie  es  scheint,  unter  den  Technikern,  welche  sich  mit
Strohstofffabrikation  befassen,  nicht  allein  erhalten,  sondern  es  wird  von
dieser  Seite  auch  der  Widerstand,  welchen  die  Strohsubstanz  dem  Aufbereitungsprocess
  überhaupt  entgegensetzt,  noch  häufig  dieser  offenbar
unschuldigen  Substanz  zugeschrieben.  Nicht  selten  wird  daher  der
chemische  Zerfaserungsprocess  des  Strohs  geradezu  „Entkieselung“  genannt ­
  !).
Obgleich  nun  die  Unzulässigkeit  dieser  Ansicht  sich  aus  dem,  was
in  der  allgemeinen  Einleitung  über  die  Natur  des  Zellengewebes  erwähnt ­
  wurde,  von  selbst  ergiebt,  so  dürfte  es  hier  vielleicht  doch  am
Platze  sein,  noch  einige  weitere  Gegengründe  anzuführen.
Der  Gehalt  der  Kieselsäure  variirt  nicht  allein  in  den  verschiedenen ­
  Stroharten  ,  sondern  auch  in  derselben  Art  sehr  beträchtlich  und
zwar  ohne,  dass  dieses  auf  die  Natur  der  Strohsubstanz  einen  bemerkliehen ­
  Einfluss  hat.  Wie  die  2'5  bis  5'0  p.  C.  betragende  Menge  von
Kieselsäure  in  einer  so  voluminösen  Substanz  wie  Stroh  ein  solch  wunderbares ­
  Bindemittel  abgeben  kann,  wäre  selbst  unter  der  Voraussetzung ­
  undenkbar,  dass  die  ganze  Menge  derselben  ausserhalb  der
Zellenwände  angelagert  sei  und  so  gleichsam  die  Intercellularsubstanz

1 )  Hahn,  Deutsch.  Industrieztg.  1871,  133;  Dingt,  pol.  J.  CC,  332;
Wagn.  Jahresber.  1871,  381;  0.  Krieg,  Dingl.  pol.  J.  CXCVI,  571.
            
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