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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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bilde. — Wir wissen aber durch die ausführlichen Untersuchungen 
von H. v. Mo hl 1 ), dass die Kieselsäure zum Theil in der Zellhaut 
selbst wie ein integrirender Theil ihres molecularen Baues aufgenom 
men wird, ohne dass dadurch die Biegsamkeit, Dehnbarkeit und Quel- 
lungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Ausserdem haben directe Versuche 
von Arendt und Knop 2 ) und von Sachs 8 ) den Nachweis geliefert, 
dass sich mit Hilfe der Wassercultur ganz normal gebildete Gräser, 
wie Mais, Weizen, Gerste und Hafer, ziehen lassen, deren Aschen nicht 
ein Procent Kieselsäure enthalten. 
Lawes & Gilbert (Privatmittheilung) haben die Beobachtung 
gemacht, dass gut gereiftes Stroh, in welchem also die Verholzung und 
die damit gleichen Schritt haltende Zunahme der Starrheit der Stroh 
substanz das Maximum erreicht hat, sogar weniger Kieselsäure als un 
reifes Stroh enthält. 
Versuche des Verfassers haben ergeben, dass noch grünes Stroh 
trotz des Mehrgehaltes an Kieselsäure durch die übliche Behandlungs 
weise leichter aufgeschlossen wird als ganz reifes. Ferner zeigte eine 
Quantität Weizenstroh, welches acht Tage mit massig verdünnter kal 
ter Fluorwasserstoffsäure in Berührung war, nach vollständigem Aus 
waschen nicht die geringste Veränderung oder Neigung sich zu zer 
fasern. Der Einwirkung verdünnter Alkalien gegenüber verhielt sich 
das so behandelte Stroh genau wie das ursprüngliche, obgleich alle 
Kieselsäure aus demselben entfernt war. Ausser einer Spur Eisenoxyd 
enthielt dasselbe keine mineralischen Bestandtheile mehr. 
Ein weiterer Beweis dafür, dass die Kieselsäure nicht als Bindemittel 
der Stroh zellen angesehen werden kann, ergiebt sich aus dem Verhalten 
der Strohsubstanz gegen die F. Schulz’sche Mischung (von Salpeter 
säure und chlorsaurem Kalium), gegen feuchtes Chlor, Bromwasser und 
gegen verdünnte Chromsäure, denn diese Reagentien bewirken die Iso- 
lirung der Zellen mit grosser Leichtigkeit, ohne dass die Kieselsäure 
entfernt wird. Aber selbst durch abwechselnde Behandlung der Stroh 
substanz mit sehr verdünnter Chlorkalklösung und warmem verdünntem 
Ammoniak lässt sich die vollständige Zerfaserung bewerkstelligen. 
Die Thatsache, dass sich dem Stroh durch einfaches Auskochen 
mit Wasser beinahe ein Drittel des ganzen Kieselsäuregehalts entziehen 
lässt, spricht schon dafür, dass die Kieselsäure in einer sehr löslichen 
Form im Stroh enthalten ist, und daher die Entfernung derselben (wenn 
dies wirklich die Aufgabe des Strohstoffprocesses wäre) keine Schwie 
rigkeit verursachen kann. 
Ueber die aus den verschiedenen Stroharten fabrikmässig erziel- 
fl V. Mohl, Sachs’ Handb. d. Exper, Phys. d. Pflanzen 1865, 152. 
2 ) Knop, Lehrb. d. Agriculturchem. 219. 3 ) Sachs, Handb. d. Exper. 
Phys. d. Pflanzen 150.
	        
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