MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

102 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
liefert, mithin obige Importation circa 70 000 Tonnen Papier ergeben 
haben muss, so lässt sich leicht ermessen, welche commercielle Wich 
tigkeit dieses Rohmaterial für England erlangt hat. 
Dass bis jetzt England fast ganz ausschliesslich das in dem Handel 
gebrachte Esparto verbraucht hat, ist allein den günstigen Verkehrs 
mitteln zuzuschreihen. Die nach dem Mittelmeer gehenden Kohle 
schiffe nehmen als Rückfracht von der spanischen Süd- und Ostküste 
Erze, Blei und Esparto ein und es liegt in dem Umstand, dass auf diese 
Weise das leichte und voluminöse Esparto mit dem schweren Ballast 
als Rückfracht verladen werden kann, das Hauptmoment, ja vielleicht 
sogar die Möglichkeit des englichen Espartohandels. 1 Tonne Esparto 
nimmt im ungepressten Zustand 180 Chk.-Fuss, im hydraulisch ge 
pressten die Hälfte des Raumes ein. 
Wie ein Blick auf die oben gegebene Einfuhrstabelle zeigt, so hat 
trotz des steigenden Werthes die Importation von Spanien in den letzten 
Jahren etwas ahgenommen. Als Ursache wird das überaus langsame 
Wachsthum der Espartopflanze und die theilweise noch sehr unrationelle 
Einsammlung angegeben. Die Blätter werden oft mit den Wurzel 
stöcken (atochon) ausgerissen und dadurch viele Standorte der Pflanze 
gänzlich verwüstet; es ist nicht leicht, die so verursachte Zerstörung 
wieder zu ersetzen, indem die jungen Pflanzen erst im 12. bis 15. Jahre 
anfangen, brauchbares Material zu liefern. Aus diesem Grunde wird 
es daher noch lange dauern, bis die in den letzten Jahren in Spanien 
angelegten Sparterien oder Espartopflanzungen zur Geltung kommen 
können. 
Die Verarbeitung des Espartos auf Papierstoff ist eine sehr ein 
fache Operation und ungleich leichter als die des Strohes auszufüh 
ren. Die runde, glatte Oberfläche und grosse Gleichmässigkeit er 
möglichen ausserdem dieses Material frei von allen störenden Unrei 
nigkeiten zu erhalten; in dieser Beziehung kommt dem Esparto wohl 
kein anderes gleich. Schnell von Statten gehende Handscheidung und 
Ausschütteln sind alles, was nothwendig ist, um das Rohmaterial 
für die Digestion vorzubereiten, und obgleich man auch in den mei 
sten Fabriken hierzu geschlossene, liegende oder rotirende Kessel be 
nutzt und unter massig erhöhtem Dampfdruck arbeitet; so wird in 
anderen diese Operation noch in offenen Kesseln oder Gefässen, in 
welche Dampf eingeleitet wird, ausgeführt. 
Die Zerfaserung geschieht durch Behandlung mit Natronlauge; 
man wendet auf verschiedenen Fabriken nach Gutdünken verschie 
dene Quantitäten davon an, sowie überhaupt die Behandlungsweise 
nicht überall dieselbe ist. So mag beispielsweise angeführt werden, 
dass die gebräuchlichen rotirenden Kessel mit 12 Ctr. Esparto 8000 
bis 9000 Pfd. Wasser und 150 Pfd. käuflichen Aetznatrons beschickt 
und 5 bis 7 Stunden auf 20 bis 25 Pfd. Dampfdruck erhitzt werden. Die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.