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Gruppe III. Chemische Industrie.
liefert, mithin obige Importation circa 70 000 Tonnen Papier ergeben
haben muss, so lässt sich leicht ermessen, welche commercielle Wich
tigkeit dieses Rohmaterial für England erlangt hat.
Dass bis jetzt England fast ganz ausschliesslich das in dem Handel
gebrachte Esparto verbraucht hat, ist allein den günstigen Verkehrs
mitteln zuzuschreihen. Die nach dem Mittelmeer gehenden Kohle
schiffe nehmen als Rückfracht von der spanischen Süd- und Ostküste
Erze, Blei und Esparto ein und es liegt in dem Umstand, dass auf diese
Weise das leichte und voluminöse Esparto mit dem schweren Ballast
als Rückfracht verladen werden kann, das Hauptmoment, ja vielleicht
sogar die Möglichkeit des englichen Espartohandels. 1 Tonne Esparto
nimmt im ungepressten Zustand 180 Chk.-Fuss, im hydraulisch ge
pressten die Hälfte des Raumes ein.
Wie ein Blick auf die oben gegebene Einfuhrstabelle zeigt, so hat
trotz des steigenden Werthes die Importation von Spanien in den letzten
Jahren etwas ahgenommen. Als Ursache wird das überaus langsame
Wachsthum der Espartopflanze und die theilweise noch sehr unrationelle
Einsammlung angegeben. Die Blätter werden oft mit den Wurzel
stöcken (atochon) ausgerissen und dadurch viele Standorte der Pflanze
gänzlich verwüstet; es ist nicht leicht, die so verursachte Zerstörung
wieder zu ersetzen, indem die jungen Pflanzen erst im 12. bis 15. Jahre
anfangen, brauchbares Material zu liefern. Aus diesem Grunde wird
es daher noch lange dauern, bis die in den letzten Jahren in Spanien
angelegten Sparterien oder Espartopflanzungen zur Geltung kommen
können.
Die Verarbeitung des Espartos auf Papierstoff ist eine sehr ein
fache Operation und ungleich leichter als die des Strohes auszufüh
ren. Die runde, glatte Oberfläche und grosse Gleichmässigkeit er
möglichen ausserdem dieses Material frei von allen störenden Unrei
nigkeiten zu erhalten; in dieser Beziehung kommt dem Esparto wohl
kein anderes gleich. Schnell von Statten gehende Handscheidung und
Ausschütteln sind alles, was nothwendig ist, um das Rohmaterial
für die Digestion vorzubereiten, und obgleich man auch in den mei
sten Fabriken hierzu geschlossene, liegende oder rotirende Kessel be
nutzt und unter massig erhöhtem Dampfdruck arbeitet; so wird in
anderen diese Operation noch in offenen Kesseln oder Gefässen, in
welche Dampf eingeleitet wird, ausgeführt.
Die Zerfaserung geschieht durch Behandlung mit Natronlauge;
man wendet auf verschiedenen Fabriken nach Gutdünken verschie
dene Quantitäten davon an, sowie überhaupt die Behandlungsweise
nicht überall dieselbe ist. So mag beispielsweise angeführt werden,
dass die gebräuchlichen rotirenden Kessel mit 12 Ctr. Esparto 8000
bis 9000 Pfd. Wasser und 150 Pfd. käuflichen Aetznatrons beschickt
und 5 bis 7 Stunden auf 20 bis 25 Pfd. Dampfdruck erhitzt werden. Die