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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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Zuckerrohr. 
Das im Laufe der Zeit schon öfter als Papiermaterial in Vorschlag 
gebrachte ausgepresste Zuckerrohr, die sogenannte Megasse oder Ba 
gasse, ist ganz in neuerer Zeit wieder Gegenstand eines industriellen 
Unternehmens geworden, welches beabsichtigt, einen von T. Routledge 
patentirten Process in Berhice zur Ausführung zu bringen. 
Abgesehen von der dünnen Oherhautschicht ist das Zuckerrohr 
hauptsächlich aus zwei Gewebeelementen zusammengesetzt, von wel 
chem das eine als eine hollundermarkähnliche Masse das Grundgewehe 
bildet, in welchem das andere, die langen und zähen Fibrovasalbündel, 
eingelagert sind. Diese Fibrovasalbündel bilden das Material für die 
Papierfaser. 
Obgleich schon einige Male und besonders 1852 von Cumins 
Versuche im Grossen ausgeführt wurden, die Megasse auf Papier zu 
verarbeiten, so führten dieselben trotz der guten Qualität des erzielten 
Products zu keinem praktischen Resultat. In Erwägung der vielfachen 
hindernden Umstände, welche einer derartigen Verwerthung der Me 
gasse entgegenstehen, würde das neuerdings wieder aufgetauchte Pro- 
ject kaum Beachtung verdienen, wenn dasselbe nicht durch T. Rout 
ledge, den erfahrenen Papiertechniker, welcher sich um die Einführung 
des Espartos so grosse Verdienste erworben, in Anregung gebracht 
worden wäre. 
Die vorgeschlagene Methode beruht einfach auf der Behandlung 
der Megasse mit Natronlauge, wodurch das schwammige Zellengewehe 
theilweise gelöst oder zertheilt und dann durch geeignete Waschvor 
richtungen von der eigentlichen Faser entfernt wird. 
Das Zuckerrohr enthält im frischen Zustande neben 71 p.C. Was 
ser und 18 p.C. Zucker nur etwa 9‘5 p.C. Cellulose. 
Die Quantität der erhaltenen Megasse beträgt in Wirklichkeit 
circa 15 bis 20 p.C. des Zuckerrohrs, welche nach Routledge’s Me 
thode behandelt 14 p.C. einer unbrauchbaren glutinösen (?) Substanz 
(Parenchymgewebe) und 41 p.C. Rohfaser liefern soll. Es ist die Ab 
sicht, die so erhaltene Faser nicht an Ort und Stelle auf Papier zu 
verarbeiten, sondern sie zu exportiren. 
In Anbetracht, dass auf den meisten Zuckerplantagen die Megasse 
als Brennmaterial unentbehrlich ist, lässt sich wohl kaum erwarten, 
dass deren Verarbeitung auf Papierfaser eine grosse Verbreitung finden 
wird. 
Ob der ebenfalls als Papiermaterial vorgeschlagene Stengel von 
Sorghum saccharatum und Andropogon glycichylum und A. succha
	        
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