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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

HO Gruppe IIL Chemische Industrie. 
ratum x ) eine praktische Verwendung gefunden, ist nicht bekannt ge 
worden. 
Bambusrohr. 
Die ältesten Nachrichten über die Entstehung der Papierbereitung 
in China erwähnen schon die Anwendung des Bambusrohrs und es ist 
eine wohlbekannte Thatsache, dass dasselbe neben verschiedenen Bast 
rinden seit langer Zeit dort eines der wichtigsten Rohmaterialien für 
die Papierfabrikation bildet. 
J. B. du Halde giebt in seinem Werke 2 ) über China eine Be 
schreibung des Verfahrens, nach welchem zur Zeit seines Aufenthalts 
der Bambus dort verarbeitet wurde. Seitdem über diesen Gegenstand 
erschienene Berichte und von Augenzeugen dem Verfasser mitge- 
theilte Angaben stimmen in allen wesentlichen Punkten mit du Haide’s 
überein, so dass wohl angenommen werden kann, dass die Methode bis 
auf den heutigen Tag dieselbe geblieben und daher die von du Halde 
gegebene Beschreibung noch volle Geltung hat. 
Hiernach wählt man für den Zweck der Papierbereitung die etwa 
schenkeldicken einjährigen Stämme, welche von der grünen Epidermis 
befreit und in etwa 2 m lange Streifen gespalten in das schmutzige 
Wasser sumpfiger Teiche eingelegt werden. Nach etwa 15 Tagen sind 
dieselben durch beginnende Fäulniss erweicht; sie werden dann, nach 
dem man sie in Wasser gewaschen, in Gruben ausgebreitet mit Kalk 
bedeckt einige Tage sich selbst überlassen. Nach dieser Behandlung 
werden sie nun von Neuem ganz rein gewaschen und in dünne 
Blätter zertheilt an der Sonne gebleicht. Durch längeres Kochen der 
gebleichten Masse mit Wasser und endlich durch Stampfen oder Stossen 
in Mörsern wird dieselbe in Papierbrei verwandelt. 
Das Papier wird nun ganz in der Weise wie das Handpapier in 
Europa durch Schöpfen, mit aus gespaltenem Rohr gemachten Formen 
bereitet. Die abgepressten noch feuchten Papierbogen werden dann 
auf die glatten Stuckwände des besonders für diesen Zweck mit langen 
Feuerungscanälen construirten Ofens aufgeklebt und auf diese Weise 
getrocknet. 
Für die meisten Zwecke wird das so dargestelltö Papier, wie über 
haupt die chinesischen Papiere, mit vegetabilischem Schleim, stärke 
artigen Körpern und dergleichen, zuweilen aber auch mittelst thierischen 
Leims, wie Fischblase und Alaun, geleimt und durch Reiben mit polirten 
Steinen geglättet. 
») Wagn. Jahresber. 1858, 322 und 1859, 553. 2 ) Anatomisches und 
Histo-chemisches über das Zuckerrohr. Karsten’s botanische Untersuchun- 
gen 2, 119. 3 ) Du Halde, Description de l’empire de la Chine etc. II 
239. Paris 1735.
	        
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