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Gruppe III. Chemische Industrie.
schwer, sich eine Vorstellung zu machen, wie die Bekanntschaft mit
dieser Einde zu der Erfindung des Papiers führen musste.
Der Papiermaulheerhaum ist in China und überhaupt dem östlichen
Asien sowie auf vielen Inseln des Stillen Meeres einheimisch. Noch
heute wird auf letzteren aus der von der Oberhaut befreiten Einde
durch Schaben mit Muschelschalen und Klopfen mit hölzernen Keulen
oder Schlägeln ein Product, das sogenannte Tapa, verfertigt, welches
auf den ersten Blick eine grosse Aehnlichkeit mit einem wirklichen
Gewebe zeigt und in der That auch als Bekleidungsstoff dort noch viel
fach Verwendung findet 1 ).
Dass die Chinesen mit der Erzeugung und Verwendung dieses
Bastes schon in den frühesten Zeiten bekannt waren, ist mehr als wahr
scheinlich, und von der Zubereitung desselben zu der Erzeugung des
Papiers ist in Wirklichkeit nur ein Schritt; denn die Leichtigkeit, mit
welcher sich dieser Bast durch Schlagen unter Wasser in feine und
starke fast farblose Fasern zertheilen lässt, und die Neigung, welche die
so entstandene Masse zeigt, sich beim Abziehen des Wassers in einen
Filz zu verwandeln, konnte nicht verfehlen, ein industrielles Volk wie
die Chinesen auf die Erfindung des Papiers zu führen.
Dass diese Erfahrung dann bald auch auf andere ähnliche Bast
rinden und auf faserige Pflanzenstoffe überhaupt angewandt wurde, ist
leicht erklärlich, und so scheint denn die Annahme, dass die Kunst Papier
zu machen von China ausgehend sich im Laufe der Zeit nach allen
Culturländern verbreitet hat, ihre volle Berechtigung zu haben.
Es wird angegeben, dass die Papierbereitung in China schon
mehrere hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung eingeführf wurde
und schon frühzeitig eine grosse Vollkommenheit erlangte.
Erst etwa 500 Jahre nach seiner Entdeckung in China wurde die
Papierbereitung von Corea aus in Japan eingeführt, und im Laufe der
Zeit erreichte diese Kunst hier eine Höhe und Wichtigkeit, welche
dem heutigen Stand dieser Industrie in China gewiss nicht nachsteht,
ja dieselbe vielleicht in mancher Bezielrang sogar übertroffen hat.
Mit Kecht hat das japanesische Papier in den letzten Jahren auch
in Europa grosses Interesse erregt und zwar sowohl wegen der ausser
ordentlich vielseitigen Nutzanwendung als auch der bemerkenswerthen
vortrefflichen Eigenschaften halber, welche dasselbe charakterisiren.
Aus diesem Grunde scheint es angemessen, hier eine kurze Notiz
über die japanesische Papierbereitung einzuschalten, umsomehr, da die
neuerdings über diesen Gegenstand erschienenen englischen Consular-
T ) Die Bewohner der Südseeinseln verarbeiten auch die Rinde des Brot
fruchtbaumes, Artocarpus incisa, zu Tapa, und auf Tahiti wird dieses sogar
häufiger als das von B. papyrifera erzeugte gebraucht, obgleich es von ge
ringerer Qualität ist.