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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Rinden anderer Bäume im Allgemeinen nur ausnahmsweise anzutreffen 
sind und treten dieselben beispielsweise vortheilhaft hervor im Ver 
gleich mit der Weidenrinde und der bei uns am besten bekannten Bast 
sorte, dem Lindenbast. 
In Anbetracht der ausgezeichneten Eigenschaften dieser Papier 
materialien war es von besonderem Interesse, einige Anhaltspunkte über 
deren Gehalt an Papierfaser zu erhalten. Die genannten Berichte ga 
ben aber hierüber keine Auskunft, und es erschien daher wünschens- 
werth, einige directe Versuche in dieser Richtung anzustellen. Das 
hierzu benutzte Material bestand aus mehreren Proben von japanesi- 
schem Kadschi; dieselben wurden im Kleinen nach der oben beschrie 
benen in Japan üblichen Weise behandelt. Sie lieferten so 48'5 p.C. ge 
reinigte Faser von schwach gelblicher Farbe. Aus diesen Resultaten'-folgt 
wenigstens so viel, dass diese Materialien nicht so überaus reich an 
Faser sind, als man auf den ersten Blick zu erwarten geneigt ist. 
Die Broussonetiarinden werden in Japan mit 4 Dollars per Picul 
(133 1 / 3 Pfund engl.) verkauft und man hat versuchsweise davon nach 
England importirt. Obgleich man die Meinung ausgesprochen hat, dass 
dieselben in grösseren Quantitäten für den verhältnissmässig niedrigen 
Preis von 15 Pfd. St. per Ton nach Europa geliefert werden könnten, 
so ist es doch nicht wahrscheinlich, dass bei dem angeführten Fasergehalt 
hier auf eine rentable Verwendung zu rechnen ist, denn die Leichtig 
keit der Aufbereitung kommt in diesem Falle viel weniger in Betracht. 
Von den übrigen japanesischen Bastrinden standen leider nicht 
genügende Mengen zur Disposition, um maassgebende Versuche damit 
anstellen zu können. 
Marco Polo 1 ) erwähnt schon, dass in China auch die Rinde der 
Zweige des echten Maulbeerbaumes, deren Blätter als Seidenraupenfutter 
verwendet wurden, auf Papier verarbeitet werden. Ein Gleiches geschieht 
in Japan besonders in Zeiten, wenn die gewöhnlichen Rinden fehlen. 
Auch wurde in Indien durch Henley 2 ) schon vor längerer Zeit Papier 
stoff aus solchen Rinden dargestellt und ganz in neuerer Zeit haben 
die im Grossen angestellten Versuche in Italien und Oesterreich (v. Za- 
hony in Podgora bei Görz) 3 ), deren Resultate in Wien ausgestellt 
waren, mit Recht grosses Interesse erregt. Diese Verwendung der 
Maulbeerbaumrinde hat besonders für jene Gegenden Wichtigkeit, wo 
wie im Venetianischen und dem Görzer Gebiete die einjährigen Zweige 
vom Baume abgeschnitten und entweder dann erst die Blätter abgestreift 
oder die ganzen Zweige mit den Blättern den Raupen vorgelegt werden. 
Früher wurden diese Zweige nachher nur als Brennmaterial benutzt. 
J ) The book of Marco Polo by H. Yule, 2. Edit., Vol. I, 409, 1874. 
z ) E-oyle. Fibrous Plants of India 343. s ) “Wagn. Jahresber. 1873, 850. 
E, Twerdy, Offic. Ausstellungsber., Papierindustrie. 1873.
	        
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