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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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Nach dem Beispiel v. Zahony’s werden dieselben nun vorher abge 
schält und kann eine Person mit Leichtigkeit 40 Kg Bastrinde per Tag 
produciren. Der Preis der lufttrocknen Kinde stellt sich auf circa 
3 Reichsmark und der daraus erzeugte vollkommen gebleichte Halbstoff 
auf 36 Reichsmark per 50 Kg. 
Um einige Anhaltspunkte zur Beurtheilung der in den verschie 
denen Maulbeerbaumrinden enthaltenen Menge von Bastfaser zu erhal 
ten, wurde die japanesische Rinde Kadschi von Broussonetia Icaenipferii, 
die Rinde von B. papyrifera „Ma-kodzu“ (eines jungen Zweiges eines 
im botanischen Garten zu Kew wachsenden Baumes) und die Rinde des 
echten Maulbeerbaumes aus Norditalien in dieser Richtung untersucht 
und folgende Resultate erhalten: 
Kadschi Ma-kodzu Maulbeerbaum 
Wasser 1P60 9'83 10'61 
Wasserextract ..... 16‘42 19‘46 19’79 
Aeussere unbrauchbare Rinde 17’74 24’58 30‘56 
Bastfaser 48’67 24’52 23‘761) 
Es ist wohl anzunehmen, dass die in Japan als Strauch cultivirte 
B. papyrifera eine viel bastreichere Rinde liefert, denn sie wird dort 
selbst dem Kadschi vorgezogen. Ebenso ist es nicht unwahrscheinlich, 
dass durch besondere Oultur und unter günstigen klimatischen Ver 
hältnissen auch der weisse Maulbeerbaum eine bastreichere Rinde lie 
fern würde. 
Anhangsweise mag hier erwähnt werden, dass die ausgenutzte 
Eichengerberlohe schon mehrmals als Rohmaterial für Papierstoff in 
Vorschlag gebracht wurde, so unter Anderen von F. Fenton (engl. Pa 
tent Nr. 90, 1863). 
In China werden ausser den angeführten in Japan gebrauchten 
Bastrinden auch die von Hibiscus rosa sinensis, sowie die von Thuya 
orientälis und die Ulmenrinde benutzt. 
In dem angrenzenden Tibet wird hauptsächlich das aus Nepal 
und Bhotan eingeführte, aus den Bastrinden mehrerer Daphneen erzeugte 
Papier gebraucht und werden Daphne papyracea (Wallieh) und beson 
ders Edgworthia gardneri (Meisner) angeführt. Ausserdem wird aber 
in Lhassa und West-Tibet selbst die Wurzelrinde des einheimischen 
Astragalus confertus zu Papier verarbeitet und soll diese nach Huc 
und Gäbet ein besonders starkes Papier liefern 2 ). Nach Versuchen 
des Verfassers enthält diese Rinde im lufttrocknen Zustande 11‘7 p. C. 
Wasser, 13T p. C. in Wasser lösliche Bestandtheile und liefert 40 p. G. 
reine Bastfaser, welche grosse Festigkeit und Zähigkeit und im feuchten 
Zustande eine eigenthümliche schleimige Beschaffenheit zeigt. 
J ) Lufttrockene, im November gesammelte Weidenrinde eines zweijähri 
gen Stammes lieferte nur 18 p. C. reine Bastfaser. 2 ) Hooker, Himalayan 
Journal II, 162.
	        
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