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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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Umständen die Hopfenreben 13'3p. 0. Bastfaser und 20‘8p. 0. gebleichte 
Holzfaser, also im Ganzen nur 34'1 p. C. Papierstoff liefern können, so ist 
leicht begreiflich, dass eine solche Ausbeute, abgesehen von den Schwie 
rigkeiten, welche der Aufbereitung im Wege stehen, eine Yerwerthung 
der Hopfenreben für Papierstoff kaum rentabel machen kann. In Wirk 
lichkeit sind es nur die 13p.C. Bastfaser, welche der Hopfenrebe über 
haupt einigen Werth geben; denn der Holzkörper kann der Qualität 
der aufgeschlossenen Faser nach, welche er mit solcher Schwierigkeit 
liefert, kaum gewöhnlichen Hobelspähnen gleichgestellt werden und 
diese lassen sich ihres grossen Volumens wegen nicht vortheilhaft ver 
arbeiten. 
Ob die Verarbeitung auf geringere Sorten von Papieren, wie Pack 
papier und dergleichen, wozu dieses Material in unvollkommen auf be 
reitetem Zustand und ungebleicht hier und da verwendet wird, wirklich 
vortheilhaft ist, hängt wohl von localen Verhältnissen ab. 
In Zusammenhang mit dem vorliegenden Gegenstand mag hier 
noch angeführt werden, dass man auch die Hopfenrückstände der Bier 
brauereien als Papierfasersurrogat in Vorschlag gebracht hat, allein 
dieselben enthalten so wenig eigentliche Faser, dass sie jedenfalls nur 
ein sehr mangelhaftes Resultat liefern können. 
Brennnessel. 
Es wurde schon im Capitel über Böhmeria- und Nesselfasern (S. 41) 
daran erinnert, dass in früheren Zeiten die Bastfaser der Brennnesseln 
eine ihrer Feinheit und Festigkeit wegen sehr geschätzte Spinnfaser 
lieferte, welche aber im Laufe der Zeit ganz ausser Gebrauch gekom 
men ist. 
Neuerdings wurden nun Versuche gemacht, diese Faser in der 
Papierfabrikation zu verwenden, und es wurde zu diesem Zweck eine 
grössere Menge von Brennnesseln, Urtica urens und U. dioica, von J. B. 
Hüttner in der Papierfabrik zu Hermanetz in Ungarn direct auf Papier 
stoff verai’beitet und die erhaltenen Resultate in der Form verschiedener 
Sorten von Papieren auf der Wiener Ausstellung 1873 zur Anschauung 
gebracht 1 ). 
Die in den der Hermanetzer Papierfabrik nahe gelegenen Wäldern 
in grossen Mengen wild wachsenden Nesseln wurden zur Blüthezeit 
eingesammelt, die Blätter und Blüthen abgestreift und die Stengel 
einer Art Thauröste unterworfen, indem dieselben, auf den Boden aus 
gelegt und der Sonne ausgesetzt, drei- bis viermal des Tages mit Wasser 
/ ~ 
fl Wagn. Jahresber. 1874. E. Twerdy, Offlciell. Ausstellungsber. der 
Wiener Ausstellg. 1873.
	        
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