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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

130 Gruppe III. Chemische Industrie. 
es findet sich in den englischen Patentarchiven seit Anfang des Jahrhun 
derts wiederholt die Anwendung des Holzes zur Erzeugung von Papier 
stoff in den betreffenden Patentbeschreibungen aufgeführt. Seit 1800 
wurden in England gegen 120 Patente ertheilt, welche die Darstellung 
des Holzstoffes zum Gegenstände haben. Meistens wird aber in den 
selben das Holz nur neben den zahllosen anderen Materialien aufgezählt, 
welche zum gleichen Zweck vorgeschlagen wurden, und es lässt sich 
auf den ersten Blick erkennen, dass die Mehrzahl dieser Vorschläge, 
wie dies heute noch nur zu oft mit derartigen Patenten der Fall ist, 
auf einer sehr oberflächlichen Bekanntschaft mit dem Gegenstände basirt 
war und eine praktische Anwendung nie finden konnte. 
Die Methoden, nach welchen das Holz jetzt in sehr beträchtlicher 
Menge für den vorliegenden Zweck verarbeitet wird, lassen sich auf 
zwei verschiedene Systeme zurückführen, welche in dem einen Falle 
auf einen einfach mechanischen, im anderen Falle auf einen rein 
chemischen Process basirt sind. 
Die zur Zeit noch weitaus wichtigste Aufbereitungsmethode ist 
die mechanische, auch ist keine Aussicht vorhanden, dass deren Be 
deutung geschmälert werde. 
Mechanische Zubereitung des Holzstoffes. 
Dieses Verfahren wurde von F. G. Keller in Hainichen in Sach 
sen erfunden, erlangte aber erst durch die lange fortgesetzten und ver 
dienstvollen Bemühungen H. Völter’s jene Vervollkommnung, welche 
dasselbe zu einer der wichtigsten Erfindungen der Neuzeit stempelt. 
Die ersten Versuche wurden schon um das Jahr 1846 bekannt, aber 
erst in den sechsziger Jahren fand dieses Verfahren eine ausgedehnte 
Anwendung und zwar vorzüglich in Deutschland, Schweden, Finnland 
und Amerika, wo billige Wasserkräfte und Holzreichthum diese neue 
Industrie begünstigten. 
Der Process besteht darin, dass das frischgefällte und von der 
Binde befreite Holz in der Form von Klötzen auf sehr rasch umlaufen 
den und stets nassgehaltenen grossem Schleifsteinen aus Sandstein 
abgeschliffen und so in eine faserige Masse verwandelt wird, welche 
dann durch weitere Behandlung auf besonders eonstruirten Vorrichtun 
gen raffinirt eine gleichmässige dem Papierbrei ganz ähnliche Masse 
liefert 1 ). 
Durch diese einfache und schnelle Operation wird ein Stoff er 
zeugt, welcher sofort mit Hadern- oder Strohstoff vermischt auf der
	        
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