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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 131 
massig wenige Papierfabriken so günstig gelegen, dass sie diesen Holz- 
sckleifstoff im frischen Zustande und direct verarbeiten können und 
es wird daher weitaus die grösste Menge desselben in abgelegenen Orten 
erzeugt, ein Umstand, der der Frachtkosten halber ein möglichstes 
Auspressen des Wassers oder selbst vollständiges Austrocknen des Holz 
stoffs nöthig macht. Durch diese Behandlung wird aber die Qualität 
desselben sehr beeinträchtigt und selbst die Verarbeitung des gepressten 
Pioducts, welches immer noch circa 60 p. C. Wasser enthält, erheischt 
ein längeres Kochen, um die Faser wieder gehörig aufzulockern, ohne dass es 
aber gelingt, derselben dadurch den ursprünglichen Grad der Geschmei 
digkeit wiederzugeben. Noch vielmehr tritt dieser Uebelstand bei dem 
getrockneten Holzschleifstoff hervor. 
Je nach der Natur des angewandten Holzes ist das Product mehr 
oder weniger farblos; Zitterpappel und ähnliche weisse Hölzer geben 
einen fast farblosen, das Holz der Coniferen dagegen einen mehr gelb 
lich gefärbten Stoff. In den damit erzeugten Papieren ist diese Fär 
bung anfangs weniger bemerkbar; aber mit der Zeit tritt dieselbe 
mehr und mehr hervor, indem sie besonders an der Luft leicht vergel- 
ben oder einen grauen Ton annehmen. 
Einestheils rührt dieser Uebelstand wohl von der den meisten Hölzern 
zukommenden Eigenschaft her, an der Luft eine dunklere Farbe anzu 
nehmen, wie dieses besonders bei den Nadelhölzern der Fall ist 1 ), ande- 
rentheils ist aber besonders die graue Färbung dem nicht vollständig 
genug entfernten Holzsaft zuzuschreiben, dessen Gehalt an gerbstoff- 
ariigen Körpern mit dem nie fehlenden Eisen leicht Veranlassung zu 
der Bildung der stark gefärbten Eisenverbindungn geben kann, welche 
erst mit der Zeit durch die vollständige Oxydation zum Vorschein 
kommen. 
Alle Versuche, den Holzschleifstoff zu bleichen, blieben bis jetzt 
erfolglos und wird dies auch wohl kaum jemals praktisch gelingen 2 ). 
Durch die Einwirkung der Bleichmittel auf die Holzsubstanz werden 
im Gegentheil gewisse Bestandtheile derselben geradezu braun oder 
gelb gefärbt oder wenigstens die Neigung hierzu verstärkt. 
Man hat wohl Papier aus besonders lang- und feinfaserigem Holz 
schleifstoff ohne Zumischung anderer Fasern dargestellt, allein solches 
Papier ist wegen der Starrheit der rohen Holzfaser zu brüchig und 
nur für sehr beschränkte Anwendung geeignet. Die wirkliche Verwen 
dung desselben geschieht daher in Verbindung mit 80, 50, in seltenen 
Fällen mit nur 20 p. C. Hadernstoff oder mit diesen und Strohstoff 
*) Ganz besonders stark macht sich diese Färbung bemerklich unter 
dein Einflüsse von Luft, welche Steinkohlenrauch (also wohl phenolartige 
Körper) enthält. a ) Winkler, Deutsche Industr.-Ztg. 1869, 1870. Wagn. 
Jahresber. 1869 und 1870. 
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