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Gruppe III. Chemische Industrie.
inneren Kesselwand liegend, hin- und herlaufend, die eine die vordere,
.die andere die hintere untere Hälfte des Kessels, die Enden der Böhren
mündeten an derselben Stelle aus', um das Wasser nach dem Ofen zu-
rückzufuhren. Es bestand sonach der Erhitzungsapparat aus zwei
endlosen geschlossenen Böhren, von welchen der grössere Theil im
Kessel, der kleinere spiralförmig gewunden im Ofen lag. Die beiden Köh
ren hatten eine Gesammtlänge von circa 600 Fuss und es wurde das
Wasser in denselben auf einen Druck bis zu 600, ja sogar 800 Pfund
erhitzt.
Die Operation dauerte nach diesem Verfahren 7 bis 8 Stunden,
und nach der Beendigung liess man durch allmäliges Oeffnen des Ven-
’ tils den Dampf aus dem oberen Kessel entweichen, und schliesslich die
Lauge in eine Cisterne abfliessen. Das angeschraubte Ende des Kes
sels wurde nun abgenommen, die Gehäuse herausgezogen, der darin
enthaltene Holzstoff entleert und in der Waschmaschine rein gewaschen.
Das nach dieser Methode mit Natronlauge behandelte Holz ist in
eine weiche Masse verwandelt, welche in dem Zustand, wie sie aus dem
Kessel kommt, zum Theil noch die Form der Holzspähne zeigt, aber
im Wasser sich leicht zu einen homogenen Papierprei von hellbraungelber
Farbe zerrühren lässt. Ein eigentliches Mahlen im Holländer erfordert
auch dieser Holzstoff nicht, und lässt sich das Bleichen ohne Schwie
rigkeit in der üblichen Weise ausführen.
Die in neuerer Zeit an anderen Orten, in England und besonders
in Schweden, durch den Ingenieur W. Lee ausgeführten Apparate die
ser Art wurden auf directe Feuerung eingerichtet.
Man will die Beobachtung gemacht haben, dass es sich in den
horizontalen Kesseln zuweilen ereignet, dass die Aufschliessung des Hol
zes an Stellen unvollständig bleibt, was sich besonders durch das Auf
treten noch harter und tiefbraun fast schwarz gefärbter Holztheile be-
merklich macht. Es ist leicht einzusehen, dass in solchen Fällen der
resultirende Holzstoff für bessere Zwecke ganz unbrauchbar wird. Man
hat diesen Uebelstand der mangelhaften Circulation der Lauge zuge
schrieben.
Um diesem Uebelstand zu begegnen hat G. Sinclair 1 ) einen ver-
ticalen Apparat patentirt, welcher aber im Wesentlichen dieselbe Con-
struction hat wie jene, welche in Boyers Ford und Manayunk schon
seit längerer Zeit in Gebrauch sind. Es wurde eine ziemliche Anzahl
solcher Sinclair’schen Apparate in England in Betrieb gesetzt, und
es sollen dieselben ganz befriedigende Kesultate liefern.
Diese aufrechtstehenden Kessel enthalten im Inneren, ganz ebenso
wie die beschriebenen amerikanischen, ein durchlöchertes Gehäuse,
welches, an der inneren Wand des Kessels befestigt, ringsum einen
J ) Engl. Patent 1869, 3193.