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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

! 4 - Gruppe III. Chemische Industrie. 
welchem aus dem in einen Kessel eingeschlossenen Holz zunächst die 
Luft ausgepumpt und dann die Natronlauge eingepumpt wird, um 
dadurch das Eindringen der Lauge in die Holzsubstanz zu erleichtern. 
Der Kessel wird dann von aussen entsprechend erwärmt, um die Ope 
ration zu vollenden. 
Blyth und Southbyi) tränken das Holz mit der Natronlauge 
und nachdem der Ueberschuss derselben abgezogen, wird die Masse 
mit Anwendung von Dampfdruck erhitzt. 
Ganz ähnlich ist der Vorschlag von V. E. Keegan. Nach diesem 
wird das Holz in der Form Zoll dicker und 12 Zoll langer Stücke 
unter bedeutendem Drucke mit concentrirter Alkalilauge von 20° (?) 
oder mit Säure (?) getränkt und dann in dem rotirenden, mit Dampf 
gehäuse umgebenen Kessel auf 150° C. erhitzt. 
J. A. Lee patentirte neuerdings eine Methode in England 2 ), nach 
welcher vor dem Beginn der Digestion der Holzspähne mit Natron 
lauge der Kessel luftleer gemacht wird, um so das Eindringen der 
Lauge in die Holzsubstanzfaser zu beschleunigen. Die einmal benutzte 
Lauge wird dann mit Essigsäure versetzt, um das Harz etc. abzuschei- 
den und dann wieder benutzt. 
Es ist bis jetzt nicht bekannt geworden, ob man die angeblichen 
Vortheile dieser neueren Methoden erprobt hat. 
Als weitaus das wichtigste von allen in neuerer Zeit aufgetauch 
ten Verfahren ist unstreitig das von Albert Ungerer 1872 patentirte 
zu betrachten.. Es lässt dieses auf den ersten Blick erkennen, dass 
es auf einer richtigen Erkenntniss des Gegenstandes basirt ist und 
darnach strebt, den von der Theorie angezeigten Weg möglichst ge 
nau zu verfolgen. 
Es stützt sich diese Methode lediglich auf die möglichst rationelle 
Ausnutzung des Alkalis, wodurch erzielt wird, dass mit einer verhält- 
mssmässig schwachen Lauge, 2 bis 3 p. C. Natron enthaltend, Laub 
hölzer bei. 60 Pfd. Dampfdruck und Nadelhölzer mit Lauge von 3 bis 
4 p. C. bei 90 Pfd. Dampfdruck in 5 bis 6 Stunden schon vollständig 
aufgeschlossen werden. 
Es ereignet sich besonders bei jenem Verfahren, bei welchem man 
die Wirkung einer möglichst geringen Menge von Alkali durch ent 
sprechend höhere Temperatur compensirt, dass gewisse in der Lauge 
gelöste Substanzen, welche sich bei höherer Temperatur in braune 
humnsartige Körper verwandeln, ausgeschieden werden und sich auf 
der Faser niederschlagen. Ferner tritt bei der üblichen Methode der 
Linstand ein, dass mit der fortschreitenden Einwirkung der Natron 
lauge diese mehr und mehr neutralisirt wird, so dass die resistenteren 
') Blyth und Southby, Engl. Patent 1872, Nro. 2417. Lee Enal, 
Patent Nro. 695, 1873. 6
	        
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