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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 143 
Bestandtheile des Holzgewebes, welche durch die Operation entfernt 
werden sollen, nur dadurch in Lösung gebracht werden können, dass 
die abgeschwächte Wirkung der Lauge durch eine entsprechende sehr 
bedeutende Steigerung der Temperatur resp. des Druckes unterstützt 
wird. 
Diese lästigen Uebelstände sucht nun Ungerer dadurch aufzu 
heben, dass die Extraction der aus dem Holzgewebe zu entfernenden 
Intercellular- und incrustirenden Substanzen gleichsam durch einen 
systematischen Auslaugungsprocess bewerkstelligt wird. Um dieses 
auszuführen wird die Wirkung auf den Inhalt einer Reihe mit ein 
ander in Verbindung stehender Digestoren in der Art vertheilt, dass 
die Lauge mit dem Maximum der Operationstemperatur, in den ersten 
Kessel oder Digestor eintretend, nach einem gewissen Zeitraum in den 
nächsten übergeführt wird, wo sie unter entsprechend niedrigerer Tem 
peratur wirkt, bis sie endlich im letzten Digestor bei wenig erhöheter 
lemperatur mit den am leichtesten löslichen Bestandtheilen des Holzes 
vollends gesättigt und dann abgelassen wird. 
Leider setzt dieses Verfahren einen sehr complicirten und daher 
auch kostspieligen Apparat voraus, und es ist wohl nur allein diesem 
Umstand zuzuschreiben, dass dasselbe in der Praxis bis jetzt noch 
nicht zur Ausführung gekommen ist und daher der technische Werth 
dieser Methode noch nicht mit Sicherheit beurtheilt werden kann. 
Nichtsdestoweniger soll der Versuch gemacht werden, diesen vielver 
sprechenden Process etwas ausführlicher zu beschreiben, obgleich dieses 
ohne Zeichnung des Apparates nur unvollständig geschehen kann. 
Der von A. Ungerer in seinem oben angeführten Patent be 
schriebene Apparat besteht aus neun aufrechtstehenden, oben mit Deckeln 
verschliessbaren eisernen Kesseln, welche, da der Process ein continuir- 
licher ist, möglichst nahe an einander, am besten im Hufeisenform, auf 
gestellt sind. Diese Kessel oder Digestoren, in welchen das zerkleinerte 
Holz mit Natronlauge behandelt wird, sind durch Röhren und Hähne 
derartig mit einander in Verbindung gebracht, dass nach Belieben der 
flüssige Inhalt jedes einzelnen Digestors durch den obwaltenden Druck 
in den nächsten übergetrieben werden kann, indem die Flüssigkeit 
unten austretend in einer Röhre aufsteigt und in den nächsten Kessel 
oben seitlich einmündet. Mit sämmtlichen Kesseln stehen zwei Röhren 
systeme in Communication, von welchen das eine aus einem besondern 
Kessel die auf 90 Pfd. Dampfdruck erhitzte Natronlauge, die andere mit 
telst einer Druckpumpe kaltes Wasser oben in die Kessel zuführt. Jeder 
Kessel kann durch angebrachte Hähne für sich abgeschlossen werden, 
wodurch die Möglichkeit gegeben ist, den Druck in denselben nach 
Belieben zu reguliren, indem nöthigen Falls durch die unter den Kes 
seln angebrachten Feuerungen die Temperatur auf die richtige Höhe 
gebracht wird. Die Kessel sind mit schlechten Wärmeleitern umge-
	        
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