MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. I45 
so ist er für viele Zwecke ohne vorhergehendes Bleichen verwendbar. 
Um aber einen vollständig weissen Papierstoff zu erhalten, verfährt 
man am zweckmässigsten in der Weise, dass man denselben mit einer 
Losung von 3 bis 4 Thln. Chlorkalk auf 100 Thle. trocknen Stoff be 
handelt. Hierdurch wird der anhängende Farbstoff in Alkalien lös 
lich gemacht und mit einer schwachen Lösung von kohlensaurem oder 
kaustischem Natron entfernt. Ein zweites Behandeln mit einer Lösung 
von V2 p-C. Chlorkalk genügt dann, um den Holzstoff vollständig farb 
los zu erhalten. 
Es ist schon in der Einleitung erwähnt worden, dass auch 
Oxydationsmittel, wie Salpetersäure, Chlor oder Königswasser, unter 
gewissen Umständen die Holzsubstanz und andere ähnliche Pflanzen 
gewehe in der Weise zerlegen, dass sie die incrustirenden Substanzen 
auflösen und die resistentere Cellulose zurücklassen, also in ganz ana 
loger Art wie die Alkalien wirken. 
Diese Thatsache ist in der Technik nicht unbeachtet geblieben 
und hat man wiederholt versucht, dieselbe in der Praxis zur Anwen 
dung zu bringen. 
Schon 1852 Hessen sich Coupier & Mellier 1 ) ein Verfahren für 
die Darstellung von Papierstoff aus Holz in England patentiren, wel 
ches auf der Anwendung von Salpetersäure beruhte. 
Später nahmen Barre & Blondei 2 ) denselben Gegenstand auf 
und wird von diesen in der ausführlichen Patentbeschreibung angege 
ben, dass für Holz 50 p. C. Salpetersäure von 36° B. hinreichen, um 
dasselbe durch 24stündige Maceration in eine weiche faserige Masse 
zu verwandeln. Diese soll nach Zusatz von etwas Wasser einige Stun 
den in emaillirten eisernen Gefässen gekocht, dann ausgewaschen, mit 
kohlensaurer Natronlösung behandelt, nochmals ausgewaschen und end 
lich mit Chlorkalk gebleicht werden. Obgleich das so erzeugte Pro 
duct nach Angabe der Patentträger viel billiger als die gebräuchlichen 
Papierstoffe sich hersteilen und die Qualität nichts zu wünschen 
übrig lässt, so scheint doch dieses Verfahren einen praktischen Erfolg 
nicht gehabt zu haben. Es ist wohl die Vermuthung gerechtfertigt, 
dass die Kosten der Salpetersäure die Rentabilität dieses Verfahrens 
unmöglich machten. 
Im Jahre 1865 patentirten dann Orioli, Fredet & Matussiere 
die Anwendung des Königswassers zu dem gleichen Zwecke und hat 
dieses Verfahren einiges Interesse gewonnen dadurch, dass es eine Zeit 
lang zu Pontcharra bei Grenoble wirklich im Grossen ausgeführt wurde. 
Nach der von Payen 3 ) gegebenen ausführlichen Beschreibung 
’) Coupier und Mellier, Engl. Patent 1852, Nro. 13 979. 2 ) Barre 
und Blondel, Engl. Patent 1861, Nro. 391. p ayenj Compt. rend. 
LXIV, 1167. Dingl. pol. J. CLXXXV, 308. 
Wiener Weltausstellung. III. I. 2. 
10
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.