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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
In  den  meisten  Fällen  beschränkt  sich  bis  jetzt  unsere  Kenntniss
in  dieser  Richtung  auf  die  Abstammung  und  Zubereitung  und  auf  die
durch  mikroskopische  Untersuchungen  erzielten  Resultate;  dass  ein  eingehenderes ­
  Studium  besonders  auch  in  chemischer  Beziehung  wünschenswerth
  ist,  tritt  immer  mehr  an  den  Tag,  seitdem  man  die  Erfahrung
gemacht  hat,  dass  diese  Pflanzenfasern  in  ihren  chemischen  Eigenschaften ­
  nicht  unwesentlich  von  einander  abweichen  und  daher  ihre
Verarbeitung  verschiedenartige  Behandlungsweisen  erfordern,  sowie,  dass
viele  dieser  ausländischen  Rohfasern  durch  rationelle  Cultur  der  Pflanzen ­
  und  besonders  durch  Verbesserung  in  der  Zubereitung  einen  viel
höheren  Werth  erreichen  können.
Die  Anzahl  der  Pflanzen,  welche  nutzbare  Fasern  liefern  können,
ist  eine  aussserordentlich  grosse  und  ist  es  ganz  besonders  die  tropische
Pflanzenwelt,  welche  einen  unerschöpflichen  Reichthum  birgt,  der  aber
bis  jetzt  nur  zum  geringeren  Theil  ausgenutzt  werden  kann.
So  wurde  durch  die  Berichte  von  Roxburgh,  Royle,  Watson,
Wiesner  u.  A.  schon  seit  längerer  Zeit  die  Aufmerksamkeit  besonders
auf  die  indischen  Pflanzenfasern  gelenkt  und  das  Interesse,  welches  die
Regierung  in  Indien  für  die  Erzeugung  dieser  Producte  nimmt,  lässt
erwarten,  dass  die  Ausfuhr  von  dort  mit  der  Zeit  noch  viel  bedeutendere ­
  Dimensionen  annehmen  wird,  als  es  selbst  jetzt  schon  der  Fall  ist.
Von  den  Hunderten  der  verschiedenen  Pflanzenfasern,  welche  in
Indien  und  anderen  tropischen  Ländern  schon  seit  den  ältesten  Zeiten
im  Gebrauch  sind,  wird  aber  bis  jetzt  nur  eine  verhältnissmässig  geringe ­
  Anzahl  ausgeführt  und  liegt  der  Grund  hierfür  eines  Theils  in
den  noch  unzureichenden  Verkehrsmitteln  und  anderen  Theils  in  der
mangelhaften  Aufbereitung,  durch  welche  das  Product  entwerthet  und
daher  der  Export  nicht  lohnend  genug  gemacht  wird.
Der  immer  noch  beträchtlichen  Transportkosten  halber  sind  es
daher  nur  die  werthvolleren  Fasern  der  tropischen  Gegenden,  welche
in  der  Textilindustrie  und  Schiffstaufabrikation  Verwendung  finden,
die  ihren  Weg  ins  Ausland  gefunden  haben.  Der  Papierfabrikation,’
welche  schon  seit  längerer  Zeit  an  den  besseren  Rohmaterialien  Mangel
leidet,  sind  mit  wenigen  Ausnahmen  diese  reichen  Quellen  von  Pflanzenfaser ­
  noch  unerschlossen  gehliehen.
Ihrer  Nutzanwendung  und  der  damit  in  Beziehung  stehenden  Erzeugung ­
  nach  gruppiren  sich  die  Pflanzenfasern  in  vier  verschiedene
Classen,  welche  durch  entsprechende  von  einander  unabhängige  Industriezweige ­
  repräsentirt  werden.
Die  erste  Classe  begreift  in  sich  die  Baumwolle  und  ähnliche
Samenhaare,  welche  nur  die  Entfernung  der  Kapselschalen  und  der
Samen  erfordern,  um  als  fertiges  Rohmaterial  aufzutreten.
Die  zweite  Classe  umfasst  die  Production  der  fast  ausschliesslich
in  der  Seilerei  Verwendung  findenden  starken  fadenförmigen  Rohfasern,
            
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