4
Gruppe III. Chemische Industrie.
In den meisten Fällen beschränkt sich bis jetzt unsere Kenntniss
in dieser Richtung auf die Abstammung und Zubereitung und auf die
durch mikroskopische Untersuchungen erzielten Resultate; dass ein eingehenderes
Studium besonders auch in chemischer Beziehung wünschenswerth
ist, tritt immer mehr an den Tag, seitdem man die Erfahrung
gemacht hat, dass diese Pflanzenfasern in ihren chemischen Eigenschaften
nicht unwesentlich von einander abweichen und daher ihre
Verarbeitung verschiedenartige Behandlungsweisen erfordern, sowie, dass
viele dieser ausländischen Rohfasern durch rationelle Cultur der Pflanzen
und besonders durch Verbesserung in der Zubereitung einen viel
höheren Werth erreichen können.
Die Anzahl der Pflanzen, welche nutzbare Fasern liefern können,
ist eine aussserordentlich grosse und ist es ganz besonders die tropische
Pflanzenwelt, welche einen unerschöpflichen Reichthum birgt, der aber
bis jetzt nur zum geringeren Theil ausgenutzt werden kann.
So wurde durch die Berichte von Roxburgh, Royle, Watson,
Wiesner u. A. schon seit längerer Zeit die Aufmerksamkeit besonders
auf die indischen Pflanzenfasern gelenkt und das Interesse, welches die
Regierung in Indien für die Erzeugung dieser Producte nimmt, lässt
erwarten, dass die Ausfuhr von dort mit der Zeit noch viel bedeutendere
Dimensionen annehmen wird, als es selbst jetzt schon der Fall ist.
Von den Hunderten der verschiedenen Pflanzenfasern, welche in
Indien und anderen tropischen Ländern schon seit den ältesten Zeiten
im Gebrauch sind, wird aber bis jetzt nur eine verhältnissmässig geringe
Anzahl ausgeführt und liegt der Grund hierfür eines Theils in
den noch unzureichenden Verkehrsmitteln und anderen Theils in der
mangelhaften Aufbereitung, durch welche das Product entwerthet und
daher der Export nicht lohnend genug gemacht wird.
Der immer noch beträchtlichen Transportkosten halber sind es
daher nur die werthvolleren Fasern der tropischen Gegenden, welche
in der Textilindustrie und Schiffstaufabrikation Verwendung finden,
die ihren Weg ins Ausland gefunden haben. Der Papierfabrikation,’
welche schon seit längerer Zeit an den besseren Rohmaterialien Mangel
leidet, sind mit wenigen Ausnahmen diese reichen Quellen von Pflanzenfaser
noch unerschlossen gehliehen.
Ihrer Nutzanwendung und der damit in Beziehung stehenden Erzeugung
nach gruppiren sich die Pflanzenfasern in vier verschiedene
Classen, welche durch entsprechende von einander unabhängige Industriezweige
repräsentirt werden.
Die erste Classe begreift in sich die Baumwolle und ähnliche
Samenhaare, welche nur die Entfernung der Kapselschalen und der
Samen erfordern, um als fertiges Rohmaterial aufzutreten.
Die zweite Classe umfasst die Production der fast ausschliesslich
in der Seilerei Verwendung findenden starken fadenförmigen Rohfasern,