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Gruppe III. Chemische Industrie.
gende Behandlung mit verdünnter Natronlauge ohne Druck Papier
stoff von sehr guter Qualität erzeugt werden kann. Die praktische
Ausführung dieser überaus einfach erscheinenden Methode ist aber mit
Schwierigkeiten behaftet, welche sich einer Anwendung im Grossen
entgegenstellen. Das Gelingen des Processes setzt eine möglichst grosse
Oberfläche des Holzes voraus und hatte sich als die passendste Form
des Holzes die der dünnen und schmalen Hobelspähne erwiesen, welche
für diesen Zweck durch eine besonders construirte Vorrichtung erzeugt
wurden. Abgesehen von der nicht geringen mechanischen Kraft, welche
die Zertheilung des Holzes beansprucht, ist es besonders das ungeheure
Volumen, welche diese Hobelspähne einnehmen und die entsprechend
grossen Behälter, welche für den Röstprocess erforderlich sind, die ein
fast unüberwindliches Hinderniss bilden; ausserdem stellt die lange
und unbestimmte Zeit, welche der Röstprocess selbst in der Sommerzeit
erheischt, die Möglichkeit eines geregelten Betriebes überhaupt in Frage.
Um noch ein Beispiel zu geben, in welch verschiedenartiger Rich
tung bereits versucht wurde, das grosse Problem der chemischen Zer
faserung des Holzes zu lösen, soll hier noch erwähnt werden, dass W
Adamson sich 1871 in Amerika ein Verfahren patentiren Hess, wel
ches dann besteht, das zerkleinerte Holz durch Extraction mit leicht
flüssigen Kohlenwasserstoffen aufzubereiten. Adamson geht dabei
offenbar von der originellen Ansicht aus, dass die harzigen Substanzen
das eigentliche Bindemittel der Zellen im Holzgewebe bilden.
In Anbetracht, dass weder die Intercellularsubstanzen noch die
incrustirenden Substanzen von den Kohlenwasserstoffen afficirt werden,
ist es schwierig, einzusehen, wie dieses Verfahren seinen angeblichen
Zweck erreichen soll.
Die mikroskopischen Untersuchungen des chemischen Holzstoffes
von Wiesner 1 ) haben ergeben, dass die histologischen Elemente des
Holzes m demseiben völlig isolirt sind, nur hin und wieder haften noch
1 “ S l HolzzeUen an einander. Die Fasern zeigen eine Länge von
2 bis 6 mmy. welche der Länge der Holzzellen entspricht und ist von
dem Markstrahlengewebe fast nichts mehr vorhanden. Die Holzzellen
selbst sind der Länge nach wohl gut erhalten, aber fast immer etwas
gequetscht und seitlich zusammengedrückt und erscheinen zuweilen
korkzieherartig gedreht wie Baumwollenfasern, zuweilen in Folge von
Quetschung breiter als die der unveränderten Holzzellen. Der aus den
Nadelhölzern dargestellte Holzstoff ist durch die getüpfelten Zellen
charaktensirt, während bei dem der Laubhölzer, durch die Anwesenheit
der Gefässe, die Abstammung erkennbar ist.
Obgleich nun bei den Papierfasern nur die langgestreckten faseri
gen Zellen für die Güte derselben maassgebend sind, so ist doch die
) Wiesner, Die Rohstoffe des Pflanzenreichs, 457.