Stärkemehl-Industrie. 153
\\ enn man Stärkemehl mit verschiedenen Agentien, insbesondere
mit nicht allzu concentrirten mineralischen Säuren, in der Kälte behan
delt, so wird bekanntlich der eine sich mit Jod blau färbende Theil,
oder, wie der Verfasser ihn der Kürze wegen nennt, die „blaue“ Modi-
fication, ausgezogen, indem sie zersetzt in Lösung gebracht wird, wäh
rend der sich nicht oder gelb färbende Theil, die „gelbe“ Modification,
noch mit der Structur der ursprünglichen Körner ungelöst zurück
bleibt. Die genannten beiden Modificationen nun sind nicht als scharf
getrennte Theile in der Stärke enthalten, sie sind vielmehr durch Ueber-
gänge verbunden, die sich mit Jod violett, roth, rothgelb färben.
Die gelbe Modification ist die widerstandsfähigste im Stärkekorn.
Sie ist im Wasser unlöslich und lässt sich auch beim Kochen mit dem
selben oder bei der Behandlung mit Säuren etc. am schwierigsten ver
ändern; sie ist den festeren Arten der Cellulose eng verwandt oder
damit identisch und fast unangreifbar. Selbst nach sehr lange fort
gesetzter Einwirkung bleibt ein Theil der Substanz ungelöst. Geschah
die Behandlung mit Säuren in der Kälte, so dass die Körner nicht auf
quollen, so erkennt man, dass das ungelöst Zurückbleibende, die äusser-
sten Theile, die „Hüllen“ der Stärkekörner sind, welche sich zuletzt
wohl auch, wenngleich äusserst langsam, lösen.
Von diesem dichtesten Theile gegen den „blauen“ hin wird die
Substanz immer leichter löslich und zersetzbar. Entsprechend wächst
auch die Verwandtschaft zu Jod. Ein Gemenge der verschiedenen Mo
dificationen, also z. B. die Kartoffelstärke, färbt sich daher immer zu-
erst blau, indem die „blaue“ Substanz das Jod für sich in Anspruch
nimmt. Tritt nun eine langsame Veränderung ein, so wird zuerst der
„blaue“ Theil als der schwächste zersetzt, und es wird nun die nächste
Modification sichtbar, welche dann ihrerseits verschwindet, wodurch
die folgende deutlich wird etc. Dem entsprechend werden die mit
kalter Säure behandelten Stärkekörner durch Jod anfangs blau, später
violett, dann roth, schliesslich nur rothgelb und gelb gefärbt.
Die Jodreaction ist daher von grossem Werthe, da sie gewisse
Eigenschaften der Substanz kund giebt. Sie scheint um so wichtiger
zu sein, weil sie bei richtiger Ausführung (wie sie in dem Original
bericht vom Verfasser genau angegeben ist) immer auch übereinstim
mende und charakteristische Resultate liefert. Beim Kochen der Stärke
mit Wasser oder bei der Behandlung von zerschnittenen Stärkekörnern
mit kaltem Wasser, in welchem Falle übrigens auch schwache Quellung
emtritt, geht etwas Substanz in Lösung, und zwar hauptsächlich die
am meisten vom Wasser durchdrungenen Theile des Kornes, die soge
nannten „weichen“ Schichten. Da aber letztere sowohl von dem blauen
als von dem gelben Theil enthalten, so haben wir auch in unserer Lö
sung nicht bloss „blaue“, sondern auch „gelbe“ Substanz. Und zwar
'"'iid die letztere durch die erstere in Lösung gehalten. Verschwindet