156
Gruppe III. Chemische Industrie.
müsste. Im Gegentheil sind die Eigenschaften dieser Substanzen eigent
lich nicht streng geschieden; sie zeigen mehr nur gradweise Abstufun
gen. Es könnte also wohl die ganze Reihe ein einziges chemisches
Individuum mit wechselnden physikalischen Theilchen darstellen. Die
Verschiedenheit würde dann darin bestehen, dass diese Theilchen von
der „gelben“ Stärke, wo sie am grössten wären, beständig an ihrer
Grösse abnähmen bis zum gelben Dextrin. Bei letzteren hätten wir
also die grösste Vertheilung der Substanz, also auch die leichteste Zer
setzbarkeit. Die Stärkelösung bestände dann in einer Vertheilung in
mehr oder weniger unregelmässige Trümmer und Flocken, die Amylo
dextrinlösung dagegen in einer Vertheilung in gleichartige Theilchen,
welche in Folge dieser Gleichförmigkeit das Vermögen hätten, sich zu
Krystallen an einander zu legen.
Liegt der Unterschied in der chemischen Constitution, so könnte er
auf der procentischen Zusammensetzung beruhen, so dass jede folgende
Modification ein gewisses Mehr an Wasserbestandtheilen enthielte, oder
dann in einer Isomerie. Für das erstere, welches nach den Eigen
schaften wohl das wahrscheinlichere wäre, sprechen die Analysen nicht.
Zwar passen die Bestimmungen des Amylodextrins besser auf die oben
angegebene Formel, welche in der That mehr Wasser enthält, als die
gewöhnliche Stärkeformel; aber auch die Analysen der Stärke stimmen,
wenn die Substanz im Wasserbade getrocknet wurde, besser mit der
Formel des Verfassers überein, und die von Anderen und von ihm aus
geführten Analysen von Dextrin geben keinen grösseren Gehalt an
Wasserbestandtheilen an.
Soll der Unterschied ein chemischer sein, so wäre er es nur inso
fern, als es zwei oder drei chemische Verbindungen gäbe: Stärke, Amylo
dextrin und Dextrin. Die verschiedenen Stärkemodificationen wenig
stens beruhen wohl nur auf physikalischen Unterschieden. Denn wir
finden hier eine sehr grosse Zahl von Formen, indem z. B. auch der
„gelbe ‘ Theil nicht homogen ist; ja, wir haben es eigentlich mit einer
ganzen Reihe allmälig in einander übergehender Modificationen zu thun.
Ebenso scheinen auch die Eigenschaften der beiden Amylodextrinarten
nicht in der Weise verschieden zu sein, dass man auf zweierlei che
mische Verbindungen schliessen dürfte. Zwischen Stärke und Amylo
dextrin könnte die Kluft freilich vielleicht grösser erscheinen. Wenn
wir aber die blaue Substanz für sich dargestellt hätten, so würde sie
wohl von dem reinen „violetten“ Amylodextrin nicht wesentlich ab
weichen. Die bis jetzt bekannten Unterschiede der verschiedenen Sub
stanzen der Stärkegruppe lassen also wohl eine Zurückführung auf
physikalische Eigenthümlichkeiten zu, und so lange nicht charakteri
stischere gefunden sind, dürften wir, meint der Verfasser, uns mit die
ser einfacheren Anschauungsweise begnügen.
In Betreff der einzelnen Bestandtheile der Stärkemehlkörner und