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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
müsste. Im Gegentheil sind die Eigenschaften dieser Substanzen eigent 
lich nicht streng geschieden; sie zeigen mehr nur gradweise Abstufun 
gen. Es könnte also wohl die ganze Reihe ein einziges chemisches 
Individuum mit wechselnden physikalischen Theilchen darstellen. Die 
Verschiedenheit würde dann darin bestehen, dass diese Theilchen von 
der „gelben“ Stärke, wo sie am grössten wären, beständig an ihrer 
Grösse abnähmen bis zum gelben Dextrin. Bei letzteren hätten wir 
also die grösste Vertheilung der Substanz, also auch die leichteste Zer 
setzbarkeit. Die Stärkelösung bestände dann in einer Vertheilung in 
mehr oder weniger unregelmässige Trümmer und Flocken, die Amylo 
dextrinlösung dagegen in einer Vertheilung in gleichartige Theilchen, 
welche in Folge dieser Gleichförmigkeit das Vermögen hätten, sich zu 
Krystallen an einander zu legen. 
Liegt der Unterschied in der chemischen Constitution, so könnte er 
auf der procentischen Zusammensetzung beruhen, so dass jede folgende 
Modification ein gewisses Mehr an Wasserbestandtheilen enthielte, oder 
dann in einer Isomerie. Für das erstere, welches nach den Eigen 
schaften wohl das wahrscheinlichere wäre, sprechen die Analysen nicht. 
Zwar passen die Bestimmungen des Amylodextrins besser auf die oben 
angegebene Formel, welche in der That mehr Wasser enthält, als die 
gewöhnliche Stärkeformel; aber auch die Analysen der Stärke stimmen, 
wenn die Substanz im Wasserbade getrocknet wurde, besser mit der 
Formel des Verfassers überein, und die von Anderen und von ihm aus 
geführten Analysen von Dextrin geben keinen grösseren Gehalt an 
Wasserbestandtheilen an. 
Soll der Unterschied ein chemischer sein, so wäre er es nur inso 
fern, als es zwei oder drei chemische Verbindungen gäbe: Stärke, Amylo 
dextrin und Dextrin. Die verschiedenen Stärkemodificationen wenig 
stens beruhen wohl nur auf physikalischen Unterschieden. Denn wir 
finden hier eine sehr grosse Zahl von Formen, indem z. B. auch der 
„gelbe ‘ Theil nicht homogen ist; ja, wir haben es eigentlich mit einer 
ganzen Reihe allmälig in einander übergehender Modificationen zu thun. 
Ebenso scheinen auch die Eigenschaften der beiden Amylodextrinarten 
nicht in der Weise verschieden zu sein, dass man auf zweierlei che 
mische Verbindungen schliessen dürfte. Zwischen Stärke und Amylo 
dextrin könnte die Kluft freilich vielleicht grösser erscheinen. Wenn 
wir aber die blaue Substanz für sich dargestellt hätten, so würde sie 
wohl von dem reinen „violetten“ Amylodextrin nicht wesentlich ab 
weichen. Die bis jetzt bekannten Unterschiede der verschiedenen Sub 
stanzen der Stärkegruppe lassen also wohl eine Zurückführung auf 
physikalische Eigenthümlichkeiten zu, und so lange nicht charakteri 
stischere gefunden sind, dürften wir, meint der Verfasser, uns mit die 
ser einfacheren Anschauungsweise begnügen. 
In Betreff der einzelnen Bestandtheile der Stärkemehlkörner und
	        
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