Stärkemehl-Industrie. Ißj
muss. Man nimmt 4 bis 5 g der Kartoffelstärke, vertheilt sie in circa
lOOcbcm Wasser und giesst zu der Mischung eine concentrirte Lösung
von kaustischem Natron (circa 3 bis 4 cbcm), welche die Stärke auflöst.
Ist dieselbe rem, so wird sie eine farblose, durchscheinende Masse ge
ben; ist sie dagegen unrein, so wird die entstandene gallertartige Masse
mehr oder weniger gelb und trübe sein. Will man die fremdartige
Substanz mittelst des Mikroskops untersuchen, so versetzt man die Masse
mit Salzsaure m starkem Ueberschuss, wodurch sie verflüssigt wird,
indem die Gallerte in lösliche Stärke übergeht. Wenn die suspendirten
btofte smh zu Boden gesetzt haben, was langsam erfolgt, decantirt man
die Flüssigkeit und sammelt den Bodensatz. Bei der Betrachtung des
selben durch das Mikroskop findet man meist Sand und besonders hol
zige Substanz, Ueberreste von Cellulose etc., deren Gegenwart die Ur
sache des Fehlers ist. —
Ausgehend von der Annahme, dass der Gehalt an Stärkemehl und
rockensubstanz in den Kartoffeln proportional steige mit dem Volum
gewichte derselben, sind im Laufe der Zeit bekanntlich zahlreiche,
technische Methoden zur schnellen Bestimmung der Dichtigkeit dieser
Knollen angegeben und empfohlen worden. Ueher diesen Gegenstand
hegen ebenfalls einige neuere Mittheilungen vor. Vergl. auch in dem
folgenden Aufsatze über Spiritusfabrikation von C. Märcker den Ab
schnitt: Apparate und Methoden zur Untersuchung von Rohmaterialien
und Producten der Brennerei.
. Dass die Voraussetzung von dem Vorhandensein proportionaler
Beziehungen zwischen der Dichte der Kartoffeln und ihrem Gehalte
nicht immer zutrifft, darauf hat der Verfasser dieses Aufsatzes wieder-
L .°lt Gelegenheit gehabt aufmerksam zu machen *). Derselbe consta-
Lrte dies zumal für kranke Kartoffeln und für solche, die Schösslinge
getrieben hatten, ausserdem aber auch in anderen Fällen, bei welchen
hffeienzen bis zu fünf vollen Procenten beobachtet wurden.
Die bekannte Methode der Bestimmung des Vol.-Gew. der Kartof
feln durch Schwimmenlassen in einer Kochsalzlösung hat W. S eh ul tze 2 )
vergleichend geprüft, wobei er die Unzuverlässigkeit dieser Methode
nachwies, um statt dessen die Methode der directen Wägung der Kar-
0 ein in der Luft und dann in Wasser als die beste und genaueste zu
empfehlen.
Ein Verfahren der Bestimmung des Vol.-Gew. der Kartoffeln be-
ufs Beurtheilung des Gehaltes derselben an Stärkemehl beschrieb
fohmann 3 ) und eine Wage (Schnellwage) zu gleichem Zwecke, die
*) Scheibler, Stenogr, Ber. der Generalversammlungen d. Vereins der
tarke- und Rübenzuckerfabrikanten Deutschlands 1869, 34 und 1873, 30.
1 Sclmltze, Dingl. pol. J. CCII, 86; Pol. Centralbl. 1871, 1579. s ) Stoh-
man,1 > Zeitschr. f. analyt. Chem. IX, 275; Pol. Notizbl. 1869, 205.
Wiener Weltausstellung. III. 1. 2. 11