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Gruppe III. Chemische Industrie.
gnügen, unsere Leser auf einige werthvolle meist mit vortrefflichen
Abbildungen versehene Beschreibungen von Fabriken und Monogra
phien über den gegenwärtigen Stand der Stärkeindustrie aufmerksam
gemacht zu haben. Indem wir das, was die Literatur in dieser Rich
tung bietet, voranschicken, sollen daran anschliessend alsdann einige
weitere Mittheilungen in Betreff der Arbeitsmethoden, der Abfallpro-
ducte und Dahingehöriges verzeichnet werden.
Eine von W. Jolitz in Frankreich construirte Maschine zur Fa
brikation von Stärke aus Kartoffeln beschreibt R. Schmidt 1 ).
Ein von Le Maiche verbessertes Verfahren der Stärkefabrika
tion, welches ein grösseres Ausbringen von Stärke erzielen soll, ist
einem Berichte Moigno’s 2 ) zufolge in einer Stärkefabrik zu Luroy
(Dep. Haute-Saöne) in Anwendung. Diese Verbesserung besteht in
einem neuen Verfahren beim Durchsieben des — auf dem gewöhnlichen
Wege erhaltenen — unreinen Stärkemehls. Nimmt man ein Sieb,
dessen Maschen so eng sind, dass die Stärkekörnchen nicht hindurch
gehen können, so lagern sich diese auf dem Siebboden ab und das Sie
ben geht nur tropfenweise von statten, d. h. der Process ist in der
Fabrikpraxis unausführbar. Bringt man aber den Seiher oder das Sieb
mit dem zu reinigenden Stärkemehl in das Wasser selbst, anstatt das
die Stärke enthaltende Wasser auf das Seihetuch laufen zu lassen, und
ertkeilt dabei dem Siebe durch Schwenken und Schütteln des Randes
eine geeignete Bewegung, so strömt das mit den Stärkekörnchen be
ladene Wasser nach oben und reisst diese letzteren mit sich fort, wäh
rend die fremden Substanzen auf dem Siebboden liegen bleiben.
In der Leipziger polytechnischen Gesellschaft hielt H. W. Wünseh-
mann einen eingehenden Vortrag, über Weizenstärkefabrikation, der
eine vortreffliche Monographie über Stärkebereitung Bildet und sich in
der Zeitschrift genannter Gesellschaft abgedruckt findet 3 ).
II. Fischer 4 ) hat eine sehr schätzenswerthe mit zahlreichen Ab
bildungen versehene Beschreibung der Kartoffelstärkefabrik zu Uetze
bei Burgdorf geliefert, welche namentlich Arbeitsmaschinen bespricht,
die bis dahin weder abgebildet noch deutlich beschrieben worden waren,
auch im Uebrigen viele interessante Mittheilungen enthält.
Weiterhin hat M. Blumenwitz 5 ) eine ausführliche und vortreff
liche Beschreibung der Stärkefabrikation geliefert.
Ebenso finden sich in einer Schilderung von Gintl 6 ) über Stärke-
D Schmidt, Dingt pol. J. CLXXVII, 116. 2 ) Moigno, Dingt pol.
J. CLXXXIV, 377; CLXXXY, 247; Pol. Centralbl. 1867, 814 und 1519;
Pol. Notizbl. 1867, 268; Deutsch. Industrieztg. 1867, 225 u.336. s ) Wünsch
mann, Blätter f. Gewerbe, Technik u. Industrie 1869, 129. 4 ) Fischer,
Mittheil. d. Gewerbevereins f. Hannover 1870, 66; Pol. Centralbl. 1870,
1277; Wagn. Jahresber. 1870, 371. ®) Blumenwitz, Uhland’s Maschinen-
constructeur 1874, 173. 6 ) Gintl, Dingt pol. J. CCXIY, 221.