6 Gruppe III. Chemisches Industrie.
wird bei der Beschreibung derselben hauptsächlich auf die Resultate
der mikroskopischen Untersuchung Rücksicht genommen. Der grosse
Werth dieser Behandlung tritt ganz besonders in dem wichtigen
Capitel über Pflanzenfasern hervor, indem hier gezeigt wird, dass sich
durch eingehendere auf histologischer Grundlage fussende mikroskopische
Untersuchungen, wie solche schon seit längerer Zeit von dem Verfasser
in dieser Richtung ausgeführt werden, charakteristische Merkmale
auffinden lassen, durch welche die einzige Möglichkeit geboten wird,
die Pflanzenfasern ihrem Ursprung nach zu erkennen.
Es war ursprünglich die Absicht, bei der nachfolgenden Zusammenstellung
der bekannteren Pflanzenfasern die mikroskopische Charakteristik
möglichst vollständig anzuführen und hierzu besonders die
früher von Wiesner über diesen Gegenstand veröffentlichten Abhandlungen
zu benutzen. Nach dem leider erst späteren Bekanntwerden
mit dem Inhalt des angeführten Werkes entschloss sich der Verfasser
des gegenwärtigen Artikels jedoch hiervon abzustehen; da die ausführliche
mikroskopische Beschreibung der Pflanzenfasern nun ohnedies
leichter zugänglich gemacht ist und überdies der beschränkte
Raum, ohneBenutzung von Illustrationen, kaum gestattet haben würde,
dieselbe in solcher Ausführlichkeit wiederzugeben wie sie für das eingehendere
Studium des Gegenstandes erforderlich ist.
Die vortrefflichen Sammlungen im Royal Botanic Garden zu Kew,
im India Museum und Crystal Palace lieferten ausserdem reichliche Gelegenheit,
sich mit dem Vorkommen der betreffenden Pflanzenfasern
genauer bekannt zu machen und möchte ich auch bei dieser Gelegenheit
meinen Dank aussprechen für die Bereitwilligkeit, mit welcher
nur von den betreffenden Behörden Untersuchungsmaterial zur Verfugung
gestellt wurde. Ganz besonders verpflichtet bin ich Hrn. Prof,
rhiselton Dyer in Kew für zahlreiche botanische Mittheilungen und
Identificationen, welche in diesem Aufsatze Verwerthung gefunden
haben.
Cellulose und Zellengewebe.
Die Substanz, um welche es sich in der Technik der Pflanzenfaser
zunächst handelt, ist der Zellstoff oder die Cellulose, welche als das
Material der Zellhaut den consistenten organischen Bestandtheil der Pflanzengewebe
und so gewissem!aassen das organische Skelett oder Gerüste
des Pflanzenorganismus bildet.
Es ist aber hier sogleich hervorzuheben, dass nicht das ganze
Celluloseskelett einer Pflanze technisch als Faser verwerthbar ist, indem
nur in gewissen Gewebepartien die Zellen in Formen auftreten,
welche sie für den industriellen Gebrauch qualificiren. Ohne Ausnahme’
sind es nur die langgestreckten und stark verdickten sogenannten pros-