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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

6  Gruppe  III.  Chemisches  Industrie.
wird  bei  der  Beschreibung  derselben  hauptsächlich  auf  die  Resultate
der  mikroskopischen  Untersuchung  Rücksicht  genommen.  Der  grosse
Werth  dieser  Behandlung  tritt  ganz  besonders  in  dem  wichtigen
Capitel  über  Pflanzenfasern  hervor,  indem  hier  gezeigt  wird,  dass  sich
durch  eingehendere  auf  histologischer  Grundlage  fussende  mikroskopische
Untersuchungen,  wie  solche  schon  seit  längerer  Zeit  von  dem  Verfasser
in  dieser  Richtung  ausgeführt  werden,  charakteristische  Merkmale
auffinden  lassen,  durch  welche  die  einzige  Möglichkeit  geboten  wird,
die  Pflanzenfasern  ihrem  Ursprung  nach  zu  erkennen.
Es  war  ursprünglich  die  Absicht,  bei  der  nachfolgenden  Zusammenstellung ­
  der  bekannteren  Pflanzenfasern  die  mikroskopische  Charakteristik ­
  möglichst  vollständig  anzuführen  und  hierzu  besonders  die
früher  von  Wiesner  über  diesen  Gegenstand  veröffentlichten  Abhandlungen ­
  zu  benutzen.  Nach  dem  leider  erst  späteren  Bekanntwerden
mit  dem  Inhalt  des  angeführten  Werkes  entschloss  sich  der  Verfasser
des  gegenwärtigen  Artikels  jedoch  hiervon  abzustehen;  da  die  ausführliche ­
  mikroskopische  Beschreibung  der  Pflanzenfasern  nun  ohnedies ­
  leichter  zugänglich  gemacht  ist  und  überdies  der  beschränkte
Raum,  ohneBenutzung  von  Illustrationen,  kaum  gestattet  haben  würde,
dieselbe  in  solcher  Ausführlichkeit  wiederzugeben  wie  sie  für  das  eingehendere ­
  Studium  des  Gegenstandes  erforderlich  ist.
Die  vortrefflichen  Sammlungen  im  Royal  Botanic  Garden  zu  Kew,
im  India  Museum  und  Crystal  Palace  lieferten  ausserdem  reichliche  Gelegenheit, ­
  sich  mit  dem  Vorkommen  der  betreffenden  Pflanzenfasern
genauer  bekannt  zu  machen  und  möchte  ich  auch  bei  dieser  Gelegenheit ­
  meinen  Dank  aussprechen  für  die  Bereitwilligkeit,  mit  welcher
nur  von  den  betreffenden  Behörden  Untersuchungsmaterial  zur  Verfugung
  gestellt  wurde.  Ganz  besonders  verpflichtet  bin  ich  Hrn.  Prof,
rhiselton  Dyer  in  Kew  für  zahlreiche  botanische  Mittheilungen  und
Identificationen,  welche  in  diesem  Aufsatze  Verwerthung  gefunden
haben.

Cellulose  und  Zellengewebe.
Die  Substanz,  um  welche  es  sich  in  der  Technik  der  Pflanzenfaser ­
  zunächst  handelt,  ist  der  Zellstoff  oder  die  Cellulose,  welche  als  das
Material  der  Zellhaut  den  consistenten  organischen  Bestandtheil  der  Pflanzengewebe ­
  und  so  gewissem!aassen  das  organische  Skelett  oder  Gerüste
des  Pflanzenorganismus  bildet.
Es  ist  aber  hier  sogleich  hervorzuheben,  dass  nicht  das  ganze
Celluloseskelett  einer  Pflanze  technisch  als  Faser  verwerthbar  ist,  indem ­
  nur  in  gewissen  Gewebepartien  die  Zellen  in  Formen  auftreten,
welche  sie  für  den  industriellen  Gebrauch  qualificiren.  Ohne  Ausnahme’
sind  es  nur  die  langgestreckten  und  stark  verdickten  sogenannten  pros-
            
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