Pflanzenfaser.
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enchymatischen Zellenaggregate, welche im Bastgewebe, in den Fibro-
vasalsträngen und im Holzkörper den Hauptbestandteil ausmachen,
welche die Pflanzenfaser der Technik liefert.
Die Membrane der schwammigen Parenchymgewebe und Gefässe
sind schon ihrer Form halber in der Technik nicht verwendbar; im
Allgemeinen sind_sie so dünn und vergänglich, dass sie während der
Aufbereitung gewöhnlich verloren gehen.
Es darf gegenwärtig als endgültig bewiesen betrachtet werden,
dass die Cellulose im reinen Zustande als eine Substanz von bestimmt
ausgesprochener chemischer Individualität aufzufassen ist.
Die besonders von Fremy aufgestellten Modificationen der Cellu
lose wurden schon von Payen, Cramer u. A. 1 ) in Abrede gestellt;
durch neuere Untersuchungen von W. Kabseh 2 ) ist deren Annahme
ganz unzulässig geworden, indem derselbe nachwies, dass diese ver
meintlichen Modificationen nur durch einen verschiedenen Aggre
gationszustand und durch die in der Zellenmembran eingelagerten
Substanzen bedingt werden. Diese Ansicht steht auch am besten im
Einklang mit den durch die Untersuchungen über die Entstehung der
Cellulose erzielten Resultaten, nach welchen dieselbe als ein durch den
protoplasmatischen Zellsaft erzeugtes Umwandlungsproduct oder als
eine Modification der Stärke zu betrachten ist.
Nach den jetzt herrschenden Ansichten scheint sich die Bildung
der sogenannten Kohlehydrate und vornehmlich der Stärke aus der
Kohlensäure durch die Thätigkeit des Chlorophylls in den grünen Chloro-
phyllkörnern unter Mitwirkung des Sonnenlichtes in ziemlich directer
Weise zu vollenden; es wird angenommen, dass dasselbe zunächst unter
Ausscheidung von Sauerstoff Kohlenoxyd bindet, welches durch Addi
tion von Wasserstoff in Ameisenaldehyd übergeführt werde; unter
dem Einfluss der Zellenthätigkeit würden dann mehrere Mölecule des
selben condensirt und unter gleichzeitigem Austritt von Wasser nach
Umständen Zucker, Inulin, Stärke oder Cellulose gebildet.
Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass gleichzeitig mit den
Kohlehydraten auch Zwischenproducte wie Pflanzensäuren und Fette
gebildet werden, und dass diese ebenfalls unter Umständen durch die
Zellenthätigkeit in Kohlehydrate verwandelt werden.
Der im wachsenden Zellengewebe vor sich gehende Process scheint
darauf zu beruhen, dass sich die Kohlehydrate, Säuren oder Fette, gleich
gültig, ob sie als Reservestoffe vorhanden sind oder während des Wachs
thums zugeführt werden, zunächst in Stärke verwandeln, welche dann
vom Protoplasma gelöst sich aus diesem als Zellenmembran ausscheidet.
fl Fremy, Compt. reud. XLVIII, 202. Payen, Compt. rend. XLVIII,
210. u. 319. Wagn. Jahresber. 1859, 529 bis 540. Cramer, J. pr. Chem. LXXIII, 1.
Chem. Centralbl. 1858, 50. 2 ) Kab s ch, .Jahrb. d. wissensch. Botanik III, 1863.