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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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enchymatischen Zellenaggregate, welche im Bastgewebe, in den Fibro- 
vasalsträngen und im Holzkörper den Hauptbestandteil ausmachen, 
welche die Pflanzenfaser der Technik liefert. 
Die Membrane der schwammigen Parenchymgewebe und Gefässe 
sind schon ihrer Form halber in der Technik nicht verwendbar; im 
Allgemeinen sind_sie so dünn und vergänglich, dass sie während der 
Aufbereitung gewöhnlich verloren gehen. 
Es darf gegenwärtig als endgültig bewiesen betrachtet werden, 
dass die Cellulose im reinen Zustande als eine Substanz von bestimmt 
ausgesprochener chemischer Individualität aufzufassen ist. 
Die besonders von Fremy aufgestellten Modificationen der Cellu 
lose wurden schon von Payen, Cramer u. A. 1 ) in Abrede gestellt; 
durch neuere Untersuchungen von W. Kabseh 2 ) ist deren Annahme 
ganz unzulässig geworden, indem derselbe nachwies, dass diese ver 
meintlichen Modificationen nur durch einen verschiedenen Aggre 
gationszustand und durch die in der Zellenmembran eingelagerten 
Substanzen bedingt werden. Diese Ansicht steht auch am besten im 
Einklang mit den durch die Untersuchungen über die Entstehung der 
Cellulose erzielten Resultaten, nach welchen dieselbe als ein durch den 
protoplasmatischen Zellsaft erzeugtes Umwandlungsproduct oder als 
eine Modification der Stärke zu betrachten ist. 
Nach den jetzt herrschenden Ansichten scheint sich die Bildung 
der sogenannten Kohlehydrate und vornehmlich der Stärke aus der 
Kohlensäure durch die Thätigkeit des Chlorophylls in den grünen Chloro- 
phyllkörnern unter Mitwirkung des Sonnenlichtes in ziemlich directer 
Weise zu vollenden; es wird angenommen, dass dasselbe zunächst unter 
Ausscheidung von Sauerstoff Kohlenoxyd bindet, welches durch Addi 
tion von Wasserstoff in Ameisenaldehyd übergeführt werde; unter 
dem Einfluss der Zellenthätigkeit würden dann mehrere Mölecule des 
selben condensirt und unter gleichzeitigem Austritt von Wasser nach 
Umständen Zucker, Inulin, Stärke oder Cellulose gebildet. 
Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass gleichzeitig mit den 
Kohlehydraten auch Zwischenproducte wie Pflanzensäuren und Fette 
gebildet werden, und dass diese ebenfalls unter Umständen durch die 
Zellenthätigkeit in Kohlehydrate verwandelt werden. 
Der im wachsenden Zellengewebe vor sich gehende Process scheint 
darauf zu beruhen, dass sich die Kohlehydrate, Säuren oder Fette, gleich 
gültig, ob sie als Reservestoffe vorhanden sind oder während des Wachs 
thums zugeführt werden, zunächst in Stärke verwandeln, welche dann 
vom Protoplasma gelöst sich aus diesem als Zellenmembran ausscheidet. 
fl Fremy, Compt. reud. XLVIII, 202. Payen, Compt. rend. XLVIII, 
210. u. 319. Wagn. Jahresber. 1859, 529 bis 540. Cramer, J. pr. Chem. LXXIII, 1. 
Chem. Centralbl. 1858, 50. 2 ) Kab s ch, .Jahrb. d. wissensch. Botanik III, 1863.
	        
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