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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
herrschenden Modus der Besteuerung (Rübensteuer) und der Höhe der 
Steuer selbst, welche gegenwärtig 8 Sgr. pro Ctr. roher Rüben beträgt, 
also beinahe dem landwirtschaftlichen Productionswerthe der Rüben 
gleichkommt, wird diese Kenntniss sogar eine gebieterische. Diese 
Steuererhebung von den rohen Rüben hat die Producenten genöthigt, 
von einer gegebenen Ackerfläche nicht allein ein Maximum an Zucker 
in der Form eines Minimums an Rühen zu erzielen, sondern sie auch 
veranlasst, nur solche Rüben zu cultiviren, deren Säfte hei grossem 
Zuckerreichthum einen kleinen Gehalt an die Verarbeitung erschweren 
den fremden Stoffen (Nichtzucker) enthalten J ). Dieses Ziel ist erreicht 
worden durch eine sorgfältige Züchtung zuckerreichster Rübenvarietäten, 
welche den gegebenen klimatischen Verhältnissen richtig angepasst 
sind, durch eine rationelle Bodenbearbeitung (Tiefcultur), durch zweck 
entsprechende Düngung, aufmerksame Pflege der Rüben während des 
Wachsthums und durch geeignete Fruchtfolgen. Dieser Steuermodus 
ist nun gleichzeitig auch die Triebfeder gewesen für das genaue Studium 
der einzelnen Bestandtheile des Rübensaftes, denn da die Zuckerfabri 
kation als die Kunst bezeichnet werden muss, den Rohrzucker des Saf 
tes von den ihn begleitenden Nichtzuckerbestandtheilen zu trennen, 
so wurde es nöthig, die Eigenschaften und das Verhalten dieser Nicht 
zuckerstoffe genau festzustellen. Die Folge davon ist, dass zur Zeit 
kein Satt einer Pflanze so vollständig und eingehend gekannt ist', wie 
der der Rüben, trotzdem hier noch Spielraum für zahlreiche Unter 
suchungen und weitere Forschungen bleibt. 
Die Zuckerrüben, d. h. die Wurzelkörper der Runkelrüben, beste 
hen im Durchschnitte aus 96 p. C. Saft und 4 p. C. in Wasser unlös 
lichen Stoffen, welche man als Mark bezeichnet. Der Saft enthält 
wechselnde Mengen Wasser, Zucker und andere gelöste theils anorga 
nische, theils organische Stoffe (Nichtzucker), und zwar im grossen 
Durchschnitt ungefähr innerhalb folgender Grenzwerthe: 
Wasse r 84'5 bis 79 p. C. 
Zucker und Nichtzucker . . 1P5 „ 17 , 
Mark 4-n a 
lOO'O bis 100 p. C. 
Es kommen aber auch Rüben vor, welche weniger als 10, und 
andere, welche bis über 20 p. C. Zucker enthalten; erstere sind unter 
den deutschen Steuerverhältnissen nicht mehr der Verarbeitung würdig. 
Ueber den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse der Natur* 
und Gruppirung der chemischen Bestandtheile der Zuckerrüben giebt 
das nachstehende Schema eine gedrängte Uebersicht, zu welcher die 
einschlägige Literatur hier kurz aufgeführt werden soll. 
R Ueber den Einfluss der Steuergesetzgebung auf die Zuckerfabrikation 
aus Rüben siehe auch Zeitschrift 1874, 910 und 1875, 260.
	        
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