Rübenzuckerfabrikation. 193
lieh solche, welche ganz ohne Tücher arbeiten und solche, welche noch
ein Tuch anwenden.
Von der ersten Art sind die von Champonnois J ), die von
Lebee 2 ), die von Colette 3 ) und eine grosse Anzahl anderer, von der
letzten Art die neuerdings sehr verbesserte von Poizot 4 ). Jene pres
sen sämmtlich den Brei zwischen hohlen Walzen mit siebartiger, den
Saft durchlassender Oberfläche; sie unterscheiden sich von einander
nur durch die verschiedene Einrichtung und Gestaltung dieser letzteren.
Die Poizot’sehe Presse dagegen enthält ein endloses Tuch, wel
ches den Rübenbrei zwischen einer Reihe voller Walzen hindurchführt,
die unter steigendem Druck den Saft auspressen. Diese Walzen sind
mit Gummi überzogen und bringen daher einen einige Zeit dauernden
Druck hervor; der elastische Walzenüberzug hat den Erfolg, dass die
Pressung jedesmal auf einer gewissen Flächenausdehnung zur Wirkung
kommt. Aus diesen Ursachen scheint der Poizot'sehen Presse ein
grosser Vorzug vor den nach dem anderen Princip gebauten zuzukom
men, wogegen das bei derselben nöthige Tuch als ein grosser Uebel-
stand zu betrachten ist. Indessen bewirkt auch eben dieses Tuch wie
der eine ungleich bessere und reinere Beschaffenheit des ausgepressten
Saftes. Die jetzige Einrichtung der Walzenpressen ist aus einer lang
jährigen Reihe von Versuchen hervorgegangen, welche noch fast unun
terbrochen fortdauern. Man ist durchaus nicht dazu gelangt, einer
oder der anderen den unbedingten Vorzug vor den übrigen einzuräumen,
und man wird dies auch allem Anscheine nach nicht in der nächsten
Zeit zu thun vermögen.
Macerationsverfahren, Schleuderverfahren. Diese beiden
Methoden der Saftgewinnung haben in den letzten Jahren nur wenige
Verbesserungen erfahren, wesentlich ist nur, dass in Folge der allge
meiner gewordenen und für das erstere dieser Verfahren als unerläss
lich erkannten Entfaserung des Saftes feinerer Brei dargestellt und
folglich mehr Saft gewonnen werden konnte. Das Macerationsverfahren
(nach Schützenbach) ist in einigen Gegenden sehr verbreitet und hat
mancherlei Vorzüge, das Schleuder- oder Centrifugalverfahren verliert
aber mehr und mehr an Boden.
Die Entfaserung, d. h. die Entfernung der feinen Markfasern aus
dem gewonnenen Rübensaft, ist als nothwendig erkannt und mit sicht
barem Erfolg in die Praxis eingeführt worden, seitdem der Verfasser 5 )
durch besondere Untersuchungen den Nachweis geführt hat, dass die
Fasern bei der Behandlung mit Kalk in der Scheidung reichliche Men
gen Rübengummi (früher Metapectinsäure genannt) an den Saft abge-
*) Champonnois, Abgebildet und beschrieben inStammer’s Lehrbuch
der Zuckerfabrikation, Braunschweig bei Fr. Yieweg u. Sohn, 200. 2 ) Lebee,
ebendas. 204. 8) Colette, ebendas. 207. 4 ) Poizot, ebendas. 208!
6 ) Scheibler, Zeitschr. 1868, 159 u. 294; 1873, 288.
Wiener Weltausstellung, ni. I. 2.
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