MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Rübenzuckerfabrikation. 193 
lieh solche, welche ganz ohne Tücher arbeiten und solche, welche noch 
ein Tuch anwenden. 
Von der ersten Art sind die von Champonnois J ), die von 
Lebee 2 ), die von Colette 3 ) und eine grosse Anzahl anderer, von der 
letzten Art die neuerdings sehr verbesserte von Poizot 4 ). Jene pres 
sen sämmtlich den Brei zwischen hohlen Walzen mit siebartiger, den 
Saft durchlassender Oberfläche; sie unterscheiden sich von einander 
nur durch die verschiedene Einrichtung und Gestaltung dieser letzteren. 
Die Poizot’sehe Presse dagegen enthält ein endloses Tuch, wel 
ches den Rübenbrei zwischen einer Reihe voller Walzen hindurchführt, 
die unter steigendem Druck den Saft auspressen. Diese Walzen sind 
mit Gummi überzogen und bringen daher einen einige Zeit dauernden 
Druck hervor; der elastische Walzenüberzug hat den Erfolg, dass die 
Pressung jedesmal auf einer gewissen Flächenausdehnung zur Wirkung 
kommt. Aus diesen Ursachen scheint der Poizot'sehen Presse ein 
grosser Vorzug vor den nach dem anderen Princip gebauten zuzukom 
men, wogegen das bei derselben nöthige Tuch als ein grosser Uebel- 
stand zu betrachten ist. Indessen bewirkt auch eben dieses Tuch wie 
der eine ungleich bessere und reinere Beschaffenheit des ausgepressten 
Saftes. Die jetzige Einrichtung der Walzenpressen ist aus einer lang 
jährigen Reihe von Versuchen hervorgegangen, welche noch fast unun 
terbrochen fortdauern. Man ist durchaus nicht dazu gelangt, einer 
oder der anderen den unbedingten Vorzug vor den übrigen einzuräumen, 
und man wird dies auch allem Anscheine nach nicht in der nächsten 
Zeit zu thun vermögen. 
Macerationsverfahren, Schleuderverfahren. Diese beiden 
Methoden der Saftgewinnung haben in den letzten Jahren nur wenige 
Verbesserungen erfahren, wesentlich ist nur, dass in Folge der allge 
meiner gewordenen und für das erstere dieser Verfahren als unerläss 
lich erkannten Entfaserung des Saftes feinerer Brei dargestellt und 
folglich mehr Saft gewonnen werden konnte. Das Macerationsverfahren 
(nach Schützenbach) ist in einigen Gegenden sehr verbreitet und hat 
mancherlei Vorzüge, das Schleuder- oder Centrifugalverfahren verliert 
aber mehr und mehr an Boden. 
Die Entfaserung, d. h. die Entfernung der feinen Markfasern aus 
dem gewonnenen Rübensaft, ist als nothwendig erkannt und mit sicht 
barem Erfolg in die Praxis eingeführt worden, seitdem der Verfasser 5 ) 
durch besondere Untersuchungen den Nachweis geführt hat, dass die 
Fasern bei der Behandlung mit Kalk in der Scheidung reichliche Men 
gen Rübengummi (früher Metapectinsäure genannt) an den Saft abge- 
*) Champonnois, Abgebildet und beschrieben inStammer’s Lehrbuch 
der Zuckerfabrikation, Braunschweig bei Fr. Yieweg u. Sohn, 200. 2 ) Lebee, 
ebendas. 204. 8) Colette, ebendas. 207. 4 ) Poizot, ebendas. 208! 
6 ) Scheibler, Zeitschr. 1868, 159 u. 294; 1873, 288. 
Wiener Weltausstellung, ni. I. 2. 
13
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.