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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Rübenzuckerfabrikation. 195 
baut und enthalten nur ein Rübenmagazin, eine Wage, eine Wäsche 
mit Elevator, einen Packtisch mit Vor- und Hauptpressen, ferner Saft- 
und Wasserpumpen und eine Maschine mit ihrem Dampfkessel. 
Es würde zu weit führen, wenn wir hier die Vorzüge und Nach 
theile dieses Fabrikationssystems und den Einfluss würdigen wollten, 
welchen dessen Ausbreitung auf die Entwickelung der Industrie ausüben 
muss, es mögen vielmehr die gegebenen Andeutungen um so mehr ge- 
nügen, als kaum vorauszusehen ist, dass dies System in Deutschland 
Nachahmung finden werde. 
Das Diffusionsverfahren, welches in Frankreich und Belgien 
bis jetzt keinen Eingang gefunden hat, ist in Deutschland und Oester 
reich in wenig Jahren von einer solchen Anzahl von Fabriken ange 
nommen worden, und hat daselbst solche Veränderung in der Arbeits 
weise bewirkt, wie etwas Aehnliches noch für kein anderes Verfahren 
stattgefunden hat. Es ist aus der älteren Art der Auslaugung finger 
dicker frischer Rühenschnitzel der sogenannten „grünen Maceration“ 
hervorgegangen und von dem Fabrikanten Robert in Seelowitz bei 
Brünn ausgebildet worden. Die erste Mittheilung über dies Verfahren 
machte Robert im Jahre 1865. Seither erschienen Berichte darüber 
von Anderen in grosser Zahl, und das Verfahren selbst erlitt vielfache 
Abänderungen. Die erforderlichen Apparate sind wesentlich abgeän 
dert und verbessert worden, so dass dieselben kaum noch etwas zu 
wünschen übrig lassen dürften. 
Durch alle seit 1865 erschienenen Fachschriften sind Arbeiten 
über die Diffusion zerstreut und fast alle Fachmänner haben sich an 
denselben betheiligt, so dass eine Aufzählung aller Arbeiten fast zur 
Unmöglichkeit wird. 
Die Rühen werden für die Entsaftung durch Diffusion in Schnitzel, 
d. h. in schmale und möglichst dünne Streifen zerschnitten, und dann 
in eisernen geschlossenen mit den nöthigen Leitungen versehenen 
Cylindern von 25 bis 50Ctr. Inhalt der Diffusion, d. h. der Ausziehung 
durch Austausch der Säfte verschiedener Dichten in mehreren Perioden, 
und während hinreichend langer Zeit irnterworfen; dies geschieht, in 
dem nach jedem einzelnen Zeitabschnitte die erzielten Säfte durch an 
dere von immer geringerer Dichte, als die in den Zellen verbliebenen 
ersetzt werden, was bis zum gewünschten Grade der Erschöpfung der 
Schnitzel fortgesetzt wird. Eine populäre Darstellung dieser Vorgänge 
bei der Diffusion gab der Verfasser 1 ). 
In der ersten Periode werden die Schnitzel so weit erwärmt, dass 
dadurch zwar der Saftaustritt befördert, die Saftbeschaffenheit aber 
nicht beeinträchtigt wird. Ist der gewünschte Temperaturgrad einmal 
J ) Scheibler, Zeitschr. 1866, 231. 
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