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Gruppe III. Chemische Industrie.
der Scheidung und Saturation in eine einzige Arbeit, sowie in der In
wendung einer niedrigeren Temperatur bei der enteren. Es verdient
Erwähnung, dass schon früher die Säfte, welche aus getrockneten Rü
ben mittelst heisser Maceration erhalten wurden, in ähnlicher Weise
geschieden und saturirt wurden.
Die Arbeit wird so geleitet, dass der Saft erwärmt und dann mit
einer grossen Menge Kalk (bis zu 5 p. C.) versetzt und gleichzeitig
mit Kohlensäure behandelt und bis zu einer unterhalb des Siedepunktes
bleibenden Temperatur erhitzt wird. Die Anwendung solcher grossen
Kalkmengen scheiterte früher an der Unmöglichkeit die entsprechenden
Schlamm mengen zu verarbeiten. Die Filterpressen (s. später) haben
diese Möglichkeit geboten und somit erst die Scheidung mit grösseren
Mengen Kalk als sonst möglich gemacht. Diese Art der Scheidung hat
eine sehr grosse Verbreitung und zwar deshalb gefunden, weil dieselbe
viele praktische Vorzüge vor der älteren Scheidung besitzt. Diese
lassen sich dahin zusammenfassen, dass sie die Anwendung beliebiger
Kalkmengen und zwar ganz unabhängig von der Natur des Saftes ge
statten. Ganz besonders hat dies für die Säfte des Diffusionsverfahrens
Geltung, welche sich bequem, sicher und regelmässig kaum anders ver
arbeiten lassen, da sie eine Scheidung nach älterer einfacher Art nur
bei Anwendung verhältnissmässig zu kleiner Kalkmengen möglich
machen. Ausserdem verlangt die ältere Scheidung grosse Aufmerksam
keit und einen je nach der Natur des Saftes verschieden bemessenen
Kalkzusatz, wogegen die Schlammsaturation stets die gleiche einmal
as zweckmassig erkannte hohe Kalkmenge erlaubt, welche für alle
rälle ausreicht.
Die erwähnten Abänderungen, welche die Behandlung des Saftes
mit Kalk und Kohlensäure im Laufe der Jahre erfahren hat, ist die
natürliche Veranlassung zu einer grossen Anzahl Untersuchungen über
die Wirkung der Scheidung je nach den angewendeten Kalkmengen D
und je nach den angewendeten Methoden 2) überhaupt gewesen. Für
den Erfolg der Untersuchung war das Verhalten des Rübenfarbstoffes
und des Gummis zum Kalk von grosser Wichtigkeit und es hat nament-
mh Sostmann hierüber sehr wichtige und von der Praxis auch ver
wertete Thatsachen ermittelt 3 ). Auch die etwaige Einwirkung von
Kalk und Alkalien auf den Zucker selbst, namentlich beim Kochen,
musste zur Verhütung etwaiger Verluste genauer geprüft werden D.
Als den wesentlichen Erfolg aller dieser Arbeiten kann man die Fest-
sellung der Regel betrachten, dass es für einen guten Erfolg der
Scheidung notwendig ist den Saft an irgend einem Punkt der Arbeit
einige Zeit mit einem Ueberschuss von Kalk zu kochen. Dieses Kochen
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