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Gruppe III. Chemische Industrie.
zen und selbst Pflanzentheilen beträchtlich abweicht x ). Durch die
Analyse der gereinigten Holzfaser verschiedener Hölzer, welche im
Wesentlichen aus Cellulose, Lignin und Intercellularsubstanz besteht,
wurde bis jetzt nur constatirt, dass die incrustirende Substanz mehr
Kohlenstoff und entsprechend weniger Sauerstoff als die Cellulose ent
hält und dass ihre Zusammensetzung ungefähr durch die Formel
C 19 H 2 4 Oio ausgedrückt ist. Es wurde ausserdem nachgewiesen, dass
das Lignin und die incrustirenden Substanzen bis zu 50 p. C. der ge
reinigten Holzmasse ausmachen 2 ).
Chemisch unterscheidet sich das Lignin von der Cellulose dadurch,
dass es gegen die meisten Agentien viel weniger resistent ist und
besonders unter dem Einfluss oxydirender Mittel leicht verändert wird.
Das in verholztem Zellengewebe enthaltene Lignin wird durch Behand
lung mit Chlor und ähnlichen Agentien in Substanzen verwandelt*
welche in verdünnten Alkalien, zum Theil auch schon in Wasser und
Alkohol löslich sind; auf diesem Verhalten beruhen die Reindarstellung
der Cellulose bei der analytischen Bestimmung der letzteren nach Fr.
Schulze, und einige technische Methoden der Darstellung von Papier
faser aus Holz. Auch wird das Lignin schon als solches viel leichter
als die Cellulose von Alkalien angegriffen und gelöst und hierauf grün
det sich die Mehrzahl der später zu erwähnenden Processe für die Ge
winnung der Cellulose zum Zwecke der Papierfabrikation.
Durch die Einlagerung der incrustirenden Substanzen in die Cel-
J ) Die von Gudkow (Zeitschr. f. Chem. 1870, 360) beschriebene furfurol-
gebende Substanz der Kleie gehört gewiss dieser Classe an und scheint die
selbe einen Theil der incrustirenden Substanzen auszumachen, insofern bei
der Behandlung von Coniferenholz und anderen Holzarten, Bambus und der
gleichen mit überhitztem Wasser nach G. Williams und Hugo Müller stets
Furfurol gebildet ward. Chem. News XXVI, 1872, 231, 247, 293. Fremy u.
Terreil, Compt. rend. LXVI, 456. Wagn, Jahresber. 1868. 2 ) Fr.
Schulze, Lehrb. d. Chem. f. Landwirthe II, 38. J. Erdmann, Ann. Chem.
Pharm. V, Suppltbd. 223 kam durch seine Untersuchungen über das Tannen
holz zu dem Schlüsse, dass dasselbe im gereinigten Zustande als eine che
mische Verbindung anzusehen ist, welche er Glicolignose nennt und für
welche er die Formel C so H 46 0 21 aufstellt. Durch Kochen mit Salzsäure
(1 Vol. Salzsäure von 1'12 Vol.-Gew. und 2 Vol. Wasser') spaltet sich diese
nach folgender Gleichung: C 30 H 46 0 21> -j- 2 H 0 = 2 C 6 H 12 0 6 -f- C 18 H 26 O u .
Traubenzucker Lignose
Lignose liefert durch Schmelzen mit Kaliumhydrat pyrokatechinartige Körper
und durch Behandeln mit Salpetersäure Cellulose. Fr. Bente (Ber. chem.
Ges. 1875, 476) fand, dass gereinigtes Pappelholz dieselbe Zusammensetzung
wie Tannenholz hat und sich wie dieses verhält. Bente fand aber, dass
diese Holzarten beim Behandeln mit Salzsäure nicht die für obige von Erd
mann aufgestellte Menge Traubenzucker liefern; er erhielt nur 25'01 p. Ct.
anstatt 48'51 p. Ct.; dagegen 70'02 anstatt 60 bis 65 Lignose, wie Erd
mann angiebt. S. ferner Payen, Compt. rend. LXIV, 1167. Dingl. pol.
J. CT,XXXV, 308, welcher 21T p. Ct. Zucker erhielt,