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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Rübenziickerfabrikation. 209 
Zeit wird diese Arbeit (Ausdecken) zu dem Zweck ausgeführt, um aus 
gewissen Füllmassen weisse, zum Verbrauch geeignete Zucker (Farin, 
Pile, Stückenzucker etc.) gewinnen zu lassen. Von diesen neuen Deck 
verfahren sollen hier nur genannt werden: 1. die „russische Dampf 
decke“, welche nicht durch Verdünnung und Verdrängung, sondern 
durch Erwärmung und dadurch herbeigeführte Verflüssigung des Sy- 
rups wirkt; 2. das „Schröder-Weinrich’sche Verfahren“ !), bei 
welchem die Zuckermasse in besondere Formen gebracht und nach dem 
Ausschleudern mit einem Gemisch von getrocknetem Dampf und war 
mer Luft ausgedeckt und weiss gemacht wird; endlich 3. das „Priew’sche 
Verfahren“, bei welchem die geschleuderte, nicht geformte Masse 
ebenfalls mit getrocknetem Dampf und Luft gedeckt und gereinigt wird. 
Von allen diesen Verfahren hat das Schröder-Weinrich’sche 
die meiste Beachtung und eingehendste Beleuchtung von verschiedenen 
Seiten gefunden; es hat die Erzeugung eines billigeren Verbrauchs 
zuckers gefördert. 
Die Herstellung des Brodzuckers, Melis oder Raffinade findet 
noch in derselben Weise wie früher statt, nur ist die mühsame Arbeit 
des Ausfüllens der Füllmasse in die Brodformen durch die mechanische 
Füllhauseinrichtung von Herbst 2 ) so umgeändert worden, dass nur 
noch sehr geringe Ansprüche an die Menschenarbeit gemacht werden. 
Hiermit sind wir an dem einen Endpunkt der Zuckerfabrikation, 
d- b. bei dem zum Verkauf und Verbrauch fertigen Zucker, angelangt. 
Die hiervon abfallenden Syrupe liefern beim weiteren Verarbeiten (Ein 
dicken und Krystallisirenlassen) geringwerthigere Zucker und endlich 
einen Syrup, aus dem weiterhin keine Zuckerkrystalle mehr erhalten 
werden können. Die geringwerthigeren Zucker sind die Nachpro- 
ducte, welche wieder zu Klärsein gelöst, gereinigt und auf reine Waare 
verarbeitet werden; der letzte Syrup, der keine Krystalle mehr liefert, 
ist die Melasse. 
Die Verwendung der letzteren besteht bis jetzt noch ganz allge 
mein darin, dass man sie derGährung unterwirft, den Spiritus abdestil- 
lirt und den Rückstand (Schlempe) entweder auf Kalisalze verarbeitet, 
oder — was ungleich rationeller ist, aber viel seltener geschieht — 
direct zum Düngen der Felder ausnutzt. Zahlreich sind die Bemühun 
gen gewesen, den Zucker der Melasse als solchen daraus zu gewinnen. 
Diese Bemühungen haben bisher im Allgemeinen nur wenig Erfolg ge 
bäht. Es gehören hierher das Baryt-Verfahren und die Osmose 3 ) 
von Dubrunfaut. Ersteres ist auf eine Fabrik beschränkt geblieben 
und letzteres ist in denjenigen französischen und belgischen Fabriken, 
b Weinrich, Zeitschr. 1871, 314, 582, 701, 2) Herbst, Ausführ 
lich beschrieben in Stammer’s Lehrbuch der Zuckerfabrikation 831 ff. 
3 ) Ding], pol. J. CLXXXIV, 149; CLXXXVI, 44; CXCIV, 60. 
Wiener Weltausstellung. III. 1. 2. i a
	        
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