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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Spiritusfabrikation. 219 
nächst müssen wir an dieser Stelle zahlreicher, experimenteller Erwei 
terungen unserer Kenntnisse auf dem Gebiete der Gährungserschei- 
nungen, zum grossen Theil in engem Anschluss an die Arbeiten von 
Pasteur, gedenken. 
Um zunächst mit den Untersuchungen A. Mayer’s 1 ) zu beginnen, 
so bilden dieselben in zahlreichen Punkten eine Bestätigung und Er 
gänzung der Pasteur’schen Arbeiten. 
Ein genaues Studium des Mineralstoffbedarfs der Hefepflanze er 
gab, dass Phosphorsäure und Kaliumsalze unentbehrlich für die 
Entwickelung waren, und dass niemals eine nennenswerthe Entwicke 
lung des Hefepilzes stattfand, wenn nicht beide Verbindungen 
gleichzeitig in dem Gährungsmedium vorhanden waren. Phosphor 
säure und Kaliumverbindungen scheinen die mineralischen Haupt 
nahrungsmittel zu sein, denn diese beiden Bestandtheile zusammen ge 
nügten, um eine Zeit lang eine Hefeaussaat zu üppiger Veimehrüng 
anzutreiben, zu einer dauernden Fortpflanzung waren jedoch auch noch 
andere Mineralstoffe erforderlich, so vor Allem Magnesiumsalze und 
(mit grösster Wahrscheinlichkeit) Schwefel 2 ), da bei ausschliesslicher 
Gabe von phosphorsaurem Kalium, selbstverständlich neben Zucker und 
stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln, die Hefezellen verkümmerten und 
an gährungserregender Kraft einbüssten. 
Sehr fraglich scheint es jedoch, ob die Hefe Calciumsalze zu ihrer 
Ernährung gebraucht, und als sicher ist es hinzustellen, dass dieselbe 
der Natrium- und Eisenverbindungen entrathen kann. Der Mineral 
stoffbedarf beschränkt sich demnach auf die vier Stoffe: Phosphorsäure, 
Kali, Magnesia und Schwefel. 
Sehr complicirt sind die Verhältnisse des Stickstoffbedarfs der 
Hefe. 
Die Eiweissstoffe und die denselben nahestehenden Verbin 
dungen der organischen Natur waren in sehr verschiedenem Verhält- 
niss für die Ernährung der Hefe geeignet; als verhältnissmässig am 
geeignetsten wurden jedoch die Verbindungen, welche ein hohes Diffu 
sionsvermögen durch Membranen besassen, befunden, so z. B. die Pep 
tone, weniger, aber immerhin noch günstiger als die meisten Eiweiss 
stoffe, wirkten die Syntonine und die Diastase. Andere stickstoff 
haltige Verbindungen, welche dem Ammoniak schon ziemlich nahe 
stehen, wie Asparagin, Allantoin, Harnstoff, Guanin, und in ge 
ringerem Grade auch Harnsäure, waren ebenfalls geeignet, den Stick- 
i) A. Mayer, Untersuchungen über die alkoholische Gährung und den 
Stoffbedarf der Hefepflanze. Monographie 1869, Heidelberg, 0. Winter, 
Lehrbuch der Gährungschemie 1874, Heidelberg, C. Winter. ) Schwefel 
säure Salze, als solche, hatten keinen bemerkenswerthen Einfluss auf den 
Verlauf der Gährung.
	        
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