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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

220

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
stoffbedarf  der  Hefejiflanze  zu  decken,  als  weniger  geeignet  erwiesen
sich  Kreatin  und  Kreatinin.
Für  Ammoniumsalze,  und  zwar  nicht  allein  für  organische 1 )
Ammoniumsalze,  wurde  von  A.  Mayer  der  stricte  experimentelle  Nachweis ­
  geführt,  dass  durch  dieselben  die  Stickstoffzufnhr  bewirkt  werden
könne,  so  dass  es  als  feststehend  zu  betrachten  ist,  dass  der  Hefepilz
die  ihn  constituirenden  Proteinstoffe  aus  dem  Zucker  und  aus
einem  stickstoffhaltigen  unorganischen  Stoffe  —  dem  Ammoniak ­
  —  unter  Mitwirkung  der  obengenannten  vier  Mineralstoffe ­
  zu  erzeugen  vermag.  Von  welchem  Interesse  diese  Beobachtung ­
  für  die  Physiologie  der  Pflanze  ist,  braucht  kaum  hervorgehoben
zu  werden,  da  man  die  Bildung  vonEiweisssubstanzen  bisher  für  eine  ausschliessliche ­
  Eigenschaft  der  chlorophyllführenden  Pflanzen  unter
dem  Einfluss  der  Beleuchtung  hielt;  man  kann  aus  obiger  Beobachtung
folgern,  dass  die  Eiweissbildung  nicht  nothwendig  an  die  grüne  Zelle
gebunden  ist.
Es  darf  jedoch  nicht  unterlassen  werden,  hier  anzuführen,  dass
Hefewachsthum  und  Gährung  zwar  bei  Ammoniumsalzen,  als  alleinigem
stickstoffhaltigen  Nahrungsmittel,  eintrat,  aber  immer  mit  sehr  geringer ­
  Intensität,  und  dass  es  bisher  noch  in  keinem  einzigen  Falle  gelungen ­
  ist,  eine  Zuckerlösung  unter  solchen  Verhältnissen  vollständig
zu  vergähren 2 ).
Von  weitgehendem  Interesse  ist  ferner  die  Beobachtung  von  A.
Mayer,  dass  die  Hefe  salpetersaure  Salze  an  Stelle  der  Ammonsalze ­
  zur  Bildung  von  Eiweissstoffen  nicht  zu  verwenden  vermöge,
dass  also  die  Salpetersäure,  das  hauptsächliche  Nahrungsmittel  der  höheren ­
  Pflanzen,  den  Hefepilz  nicht  zu  ernähren  vermag.  Man  könnte
versucht  sein,  aus  diesem  Verhalten  der  Hefe  zu  folgern,  dass  im  Allgemeinen ­
  die  chlorophyllfreie  Pflanze  zwar  aus  Ammoniumsalzen  und
Zucker  Eiweissstoffe  bilden  könne,  nicht  aber  aus  den  Sauerstoffverbindungen ­
  des  Stickstoffs,  welche  nur  durch  die  Reductionsvorgänge,
die  sich  unter  dem  Einfluss  der  Beleuchtung  in  den  grünen  Organen
vollziehen,  in  dieser  Richtung  verarbeitet  werden  könnten 3 ).

*)  Die  bezüglichen  Versuche  waren  von  Pasteur  mit  weinsaurem  Ammonium ­
  ausgeführt  und  später  von  Duclaux  (Compt.  rend.  LIX,  450)  mit
demselben  Salze  wiederholt,  die  Eiweisssubstanz  der  Hefe  brauchte  daher  nicht
nothwendig  nur  aus  Zucker  und  Ammoniumsalzen  entstanden  zu  sein,  sondern ­
  es  konnte  der  Kohlenstoffgehalt  derselben  von  der  Weinsäure  herstammen.
  )  Diesem  Umstande  ist  es  zuzuschreiben,  dass  Ammoniumsalze  bei  der
Kunsthefenbereitung  als  Ersatz  der  eiweissartigen  Nahrungsmittel  der  Hefe
noch  nicht  mit  Erfolg  verwendet  werden.  8 )  Eine  dieser  Verallgemeinerung
entgegenstehende  Angabe  finde  ich  in  Mayer’s  Gährungschemie,  114,  wo
angeführt  wird,  dass  Schimmelpilze  auf  Flüssigkeiten,  welche  von  Stickstoffverbindungen ­
  nur  salpetersaure  Salze  enthalten,  üppig  gedeihen.  Es  ist  mir
nun  allerdings  nicht  bekannt,  ob  bei  diesen  Versuchen  die  Bedingungen  derart
            
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