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Gruppe III. Chemische Industrie.
Fortpflanzung durch Knospung, wie dieselbe von Cagniard de Latour,
Schwann, Turpin und Mitscherlich beobachtet ist, darf als so bekannt
angesehen werden, dass dieselbe nicht weiter beschrieben zu werden
braucht; dagegen ist hier hervorzuheben, dass von Rees ausser der
Fortpflanzung durch Knospung eine andere — wohl als geschlechtliche
zu bezeichnende — Art der Fortpflanzung beobachtet ist.
Wenn man unter sehr lebhaftem Luftzutritt, d. h. in sehr dünner
Schicht, breiige Bierhefe *) auf Scheiben von zuckerarmen Medien,
wie Mohrrübe oder Kartoffeln, in feuchtwarmer Umgebung cultivirt,
so pflanzt sich die Hefe zuerst zwar noch durch Knospung fort, nach
einigen Tagen vollzieht sich jedoch ein Generationswechsel; die Hefekügelchen
schwellen zunächst stark an, die mit durchsichtiger Flüssigkeit
erfüllten „Vacuolen“ verschwinden, das Protoplasma nimmt eine
schaumartige Beschaffenheit an; nach einigen Tagen zeichnen sich zwei bis
vier dichtere Massen in dem Protoplasma ab, umkleiden sich miteiner Membran,
welche sich immer mehr verdickt, während die Membran der Mutterzelle
allmälig mehr und mehr resorbirt wird. Wenn die Tochterzellen
in ein zu ihrer Entwickelung passendes Medium gebracht werden, so
pflanzen sie sich nun ihrerseits wieder durch Knospung fort, ebenso wie die
ursprüngliche Bierhefe, aus der sie entstanden sind. Man nennt diese
Fortpflanzungsart die Vervielfältigung durch „Ascosporen“ (Ascus
— Schlauch, Mutterzelle ;Ascosporen = Sohlauchsporen, Tochterzelle),
die Pilze, welche eine solche Fortpflanzungsart zeigen, „Ascomyeeten“.
Unter den normalen Verhältnissen derGährung in Brauereien und
Brennereien findet übrigens die Fortpflanzung durch Ascosporen
nicht statt, da sich dieselbe auf zuckerarme Medien bei sehr lebhaftem
Luftzutritt zu beschränken scheint, dagegen beobachtete Reess dieselbe
an Hefemassen, welche in feuchtem Zustande und mit Luft in
Berührung aufbewahrt werden, ebenso wie an Hefe, welche bei Seite
geworfen zufällig vor Fäulniss und Schimmelbildung bewahrt geblieben
war. Eine directe praktische Seite hat daher die Reess’sche
Entdeckung, welche natürlich von dem höchsten theoretischen Interesse
ist, für die Praxis der Spiritusfabrikation augenblicklich nicht, dagegen
darf es als nicht unmöglich bezeichnet werden, dass die Fortpflanzung
durch Ascosporen vielleicht gelegentlich zu benutzen sei, um eine
vollkommene Reinzüchtung einer neuen Hefegeneration zu
erreichen. Jedenfalls muss jede neue Beobachtung über das Leben
und die Fortpflanzung der Hefe im Interesse der Gährungsgewerbe,
welche noch so sehr im Argen liegen, hochwillkommen geheissen werden.
Sache der Praxis muss es sein, diese Beobachtungen zu verwerthen.
Auch die Frage der Idendität von Uberhefe und Unterhefe ist
*) Unterliefe.