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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser.

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beiden  in  engem  Zusammenhang  steht.  Die  Cellulose  verhält  sich
in  der  That  wie  Stärke  in  einem  verdichteten  Zustande  und  abgesehen ­
  von  den  damit  zusammenhängenden  physikalischen  Eigentümlichkeiten ­
  und  der  grösseren  Resistenz,  welche  die  Cellulose  zeigt,
verhalten  sich  beide  Substanzen  chemischen  Agentien  gegenüber  vollständig ­
  gleichartig.  Die  äusseren  resistenteren  Schichten  der  Stärkekörner ­
  selbst,  die  sogenannte  Farinose,  ist  von  der  eigentlichen  Cellulose ­
  chemisch  kaum  zu  unterscheiden x ).  Der  Hauptbestandteil  der
Stärke,  die  Granulöse,  ist  der  Cellulose  gegenüber  besonders  durch  die
Kleisterbildung,  die  Jodreaction  und  die  Leichtigkeit  der  Ueberführung
in  Dextrin  und  Glucose  mittelst  Diastase  oder  in  der  Wärme  charakterisirt.
  Mit  Ausnahme  der  Kleisterbildung  lassen  sich  aber  auch  durch
Anwendung  kräftigerer  chemischer  Mittel  dieselben  Reactionen  mit
der  Cellulose  hervorrufen  und  scheinen  dieselben  auf  einer  vorübergehenden ­
  Rückbildung  der  Cellulose  in  unorganisirte  Stärke  oder  Granulöse ­
  zu  beruhen.  Die  umgekehrte  Reaction,  d.  h.  die  Ueberführung
der  Stärke  in  Cellulose  auf  künstlichem  Wege,  ist  dagegen  bis  jetzt
noch  nicht  beobachtet  worden.
Im  Vergleich  mit  den  übrigen  Pflanzenbestandtheilen  ist  die  Cellulose ­
  durch  einen  gewissen  Grad  von  Indifferenz  charakterisirt,  welche
sie  chemischen  Agentien  gegenüber  zeigt,  und  es  beruht  hierauf  ihre
Abscheidung  aus  den  complex  zusammengesetzten  Pflanzengeweben
durch  Anwendung  von  Mitteln,  welche  die  Nebenbestandtheile  derselben ­
  zerstören.  Doch  ist  diese  Widerstandsfähigkeit  keineswegs  so  unbegrenzt ­
  und  es  sind  daher  die  Umstände,  unter  welchen  die  Cellulose
Umwandlungen  oder  Zersetzungen  erleidet,  für  die  Technik  von  gewissem ­
  Interesse.  In  der  That  verdienen  dieselben  viel  mehr  Beachtung, ­
  als  man  ihnen  im  Allgemeinen  angedeihen  lässt,  und  es  wird  bei
den  gebräuchlichen  Behandlungsweisen  der  Pflanzenfaser  noch  all  zu
sehr  auf  die  vermeintliche  Unzerstörbarkeit  der  Cellulose  gesündigt.  Es
ist  vom  technischen  Standpunkte  aus  besonders  im  Auge  zu  behalten,
dass  bei  der  Anwendung  oder  Verwerthung  der  Cellulose  nicht  sowohl
die  Substanz  selbst  als  vielmehr  die  Form  derselben  in  Betracht  kommt
und  dass  man  daher  vor  Allem  darnach  zu  trachten  hat,  dass  die  physikalischen ­
  Eigenschaften  der  Zellenmembran  als  solche  im  Laufe  der
Aufbereitungsprocesse  nicht  beeinträchtigt  werden.
Als  technisch-chemisch  wichtig  mögen  zunächst  folgende  Eigenschaften ­
  der  Cellulose  Erwähnung  finden.
Während  die  Cellulose  in  der  Kälte  mit  massig  concentrirten  Säuren ­
  oder  Alkalien  in  Berührung  gebracht,  nicht  merklich  angegriffen
wird,  findet  bei  erhöhter  Temperatur  bald  wahrnehmbare  Einwirkung

*)  Musculus  (Arm.  chim.  phys.  [5]  II,  385)  stellt  neuerdings  die  von
Naegeli  angenommene  Identität  der  Farinose  mit  Cellulose  in  Abrede.
            
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