Pflanzenfaser.
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beiden in engem Zusammenhang steht. Die Cellulose verhält sich
in der That wie Stärke in einem verdichteten Zustande und abgesehen
von den damit zusammenhängenden physikalischen Eigentümlichkeiten
und der grösseren Resistenz, welche die Cellulose zeigt,
verhalten sich beide Substanzen chemischen Agentien gegenüber vollständig
gleichartig. Die äusseren resistenteren Schichten der Stärkekörner
selbst, die sogenannte Farinose, ist von der eigentlichen Cellulose
chemisch kaum zu unterscheiden x ). Der Hauptbestandteil der
Stärke, die Granulöse, ist der Cellulose gegenüber besonders durch die
Kleisterbildung, die Jodreaction und die Leichtigkeit der Ueberführung
in Dextrin und Glucose mittelst Diastase oder in der Wärme charakterisirt.
Mit Ausnahme der Kleisterbildung lassen sich aber auch durch
Anwendung kräftigerer chemischer Mittel dieselben Reactionen mit
der Cellulose hervorrufen und scheinen dieselben auf einer vorübergehenden
Rückbildung der Cellulose in unorganisirte Stärke oder Granulöse
zu beruhen. Die umgekehrte Reaction, d. h. die Ueberführung
der Stärke in Cellulose auf künstlichem Wege, ist dagegen bis jetzt
noch nicht beobachtet worden.
Im Vergleich mit den übrigen Pflanzenbestandtheilen ist die Cellulose
durch einen gewissen Grad von Indifferenz charakterisirt, welche
sie chemischen Agentien gegenüber zeigt, und es beruht hierauf ihre
Abscheidung aus den complex zusammengesetzten Pflanzengeweben
durch Anwendung von Mitteln, welche die Nebenbestandtheile derselben
zerstören. Doch ist diese Widerstandsfähigkeit keineswegs so unbegrenzt
und es sind daher die Umstände, unter welchen die Cellulose
Umwandlungen oder Zersetzungen erleidet, für die Technik von gewissem
Interesse. In der That verdienen dieselben viel mehr Beachtung,
als man ihnen im Allgemeinen angedeihen lässt, und es wird bei
den gebräuchlichen Behandlungsweisen der Pflanzenfaser noch all zu
sehr auf die vermeintliche Unzerstörbarkeit der Cellulose gesündigt. Es
ist vom technischen Standpunkte aus besonders im Auge zu behalten,
dass bei der Anwendung oder Verwerthung der Cellulose nicht sowohl
die Substanz selbst als vielmehr die Form derselben in Betracht kommt
und dass man daher vor Allem darnach zu trachten hat, dass die physikalischen
Eigenschaften der Zellenmembran als solche im Laufe der
Aufbereitungsprocesse nicht beeinträchtigt werden.
Als technisch-chemisch wichtig mögen zunächst folgende Eigenschaften
der Cellulose Erwähnung finden.
Während die Cellulose in der Kälte mit massig concentrirten Säuren
oder Alkalien in Berührung gebracht, nicht merklich angegriffen
wird, findet bei erhöhter Temperatur bald wahrnehmbare Einwirkung
*) Musculus (Arm. chim. phys. [5] II, 385) stellt neuerdings die von
Naegeli angenommene Identität der Farinose mit Cellulose in Abrede.