Spiritusfabrikation. 239
14. Die Hefe enthält ein Ferment, welches auch ausserhalb derllefezelle
Rohrzucker zu Invertzucker verwandelt.
15. Durch die Erregung von Gährung stirbt die Hefe allmälig ab ;
die Gährung wird daher mit Recht als ein pathologischer Vorgang,
dessen Ende der Tod der Hefe ist, bezeichnet.
16. Durch abgestorbene, nicht mehr lebensfähige Hefe wird Gährung
nicht mehr erregt.
Nebengälirungen.
Milchsäure-, Essigsäure-, Salpetersäurogährung.
Ausser der Alkoholgährung wird im Brennereiprocess die Mi Ich-Bäuregährung
in der Hefe absichtlich eingeleitet, um, wie man die
Nothwendigkeit derselben rechtfertigt, unlösliche stickstoffhaltige Bestandtheile
der Körner in Lösung zu bringen und der Hefe als Nahrungsmittel
zuzuführen. Inwieweit die Rolle der Milchsäure in dieser
Richtung nothwendig ist, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls nimmt
die Säuerung auf Kosten der Alkoholausbeute häufig überhand und es
wäre als ein grosser Fortschritt in der Technik der Gährung zu bezeichnen,
wenn man die Milchsäure, deren Bildung und Vermehrung
man so wenig in der Hand hat, durch eine andere Säure ersetzen
lernte.
Nach Pasteur wird dieMilchsäuregährungdurch ein organisirtes
Ferment eingeleitet, welches aber nicht aus Kügelchen, wie die Alkoholhefe,
sondern aus Stäbchen (Bacterien) besteht, welche über doppelt so
lang als breit und in der Mitte leicht eingeschnürt sind.
Das Milchsäureferment zeigt eine eigenthümliche wimmelnde Bewegung
und pflanzt sich ebenso wie die Alkoholhefe durch Knospung
und Zelltheilung fort; dabei bleiben die Knospen oft an der Mutterzelle
sitzen und vereinigen sich häufig zu langen Schnüren. Die Ernährung
der Milchsäurehefe scheint nach denselben Gesetzen zu verlaufen, wie
diejenige der Alkoholhefe, da die Milchsäurehefe ebenfalls Zucker, stickstoffhaltige
Verbindungen und Mineralstoffe zum 'VVachsthum gebraucht.
In der Luft finden sich regelmässig Keime (oder einzelne Individuen)
von Milchsäurehefe vor, eine zweckmässig zusammengesetzte Nährflüssigkeit
geht daher an der Luft schnell in Milchsäuregährung über.
Im Brennereiprocess ist die Milchsäure ein gefürchteter Feind,
Welcher die Alkoholausbeute oft erheblich verringert. Man suchte den
Grund dieses Verhaltens, ausgehend von der Beobachtung, dass stark