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Gruppe III. Chemische Industrie.
cirende Gruppen, C 6 H 10 O5, entstanden ist. Wenn man nach dem Re-
ductiönsvermögen der Maltose für alkalische Kupferlösung (06 bis 67 p. C.
der Dextrose) gehen soll, so wäre derselben die Formel
+ xHjO
zuznsprechen, und die Umsetzungsgleichung der Stärke durch Diastase
lautete:
4 c 6 H 10 o 5 + 2 h 2 o = c 6 h 10 o 5 + c 18 h 34 0 17
Stärke Dextrin Maltose
Nach der von Schulze und Sullivan aufgestellten Formel
C 12 H 22 0h würde man allerdings die Maltose ausC<;H 12 0 6 -)- C 8 H 10 O5
bestehend zu denken haben, indessen wäre mit dieser Formel weder
das Reductionsvermögen der Maltose noch auch die Bildung von Mal
tose und Dextrin aus der Stärke zu erklären. Präciser ausgedrückt,
muss man daher jetzt die Umsetzung von Stärke unter dem Einfluss
von Diastase dahin definiren, dass aus der Stärke zwei reducirende
Gruppen, C 6 H 12 0 6 , und zwei nicht reducirende Gruppen, C 6 H 10 0 5 , ent
stehen, von welchen eine der letzten mit den beiden reducirenden
Gruppen zu Maltose verbunden bleibt.
Vielleicht lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass das Stärke-
molecul wenigstens vier Mal die Gruppe CeH 1() 0 5 enthält.
Mit der Bildung von Maltose und Dextrin ist die Wirkung der
Diastase beendet, so dass eine vollständige Ueberführung in Zucker
nicht stattfindet.
Wie kommt es nun aber, dass bei dem Process der Spiritusfabri
kation das durch Malzdiastase beim Verzuckerungsprocess erhaltene
Gemisch von Maltose und Dextrin einer vollkommenen Vergährung
in kurzer Zeit fähig ist, trotzdem das Dextrin zur Gährung sehr wenig
geeignet ist? Zwar scheint es nach Barfoed’s Untersuchungen 1 ),
dass das Dextrin möglicherweise einer directen Gährung durch Hefe
fähig ist; die von Barfoed beobachtete Vergährnngsfähigkeit des
Dextrins 2 ) war jedoch so gering, dass dieselbe lange nicht zur Erklä
rung der Verhältnisse der Gährungspraxis ausreicht. Es muss daher
eine Nachwirkung der Diastase während der Gährung stattfinden, welche
x ) Barfoed, Journ. f. prakt. Chemie 1872, VI, 334.
2 ) In drei Wochen war von dem zur Gährung angesetzten Dextrin etwas
mehr als % vergohren. Ich kann daher A. Mayer (Gährungschemie 27)
nicht beistimmen, wenn er in der von Barfoed beobachteten, wie er selbst
angiebt, geringfügigen Vergährbarkeit des Dextrins die „einfachste Lösung
von der Welt, der Präge“, dass im Brennereiproeess in kurzer Zeit die
genannte Dextrinmasse vergährt, finden will. Ich halte dem gegenüber die
von mir behauptete Nachwirkung der Diastase aufrecht.