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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
statt 1 ). Sind diese Reagentien sehr concentrirt, so schwillt die Zellen 
membran schon in der Kälte beträchtlich an und wird dann allmälig 
gelöst. Es scheint, dass die so entstandenen Flüssigkeiten während kurzer 
Zeit die Cellulose als solche gelöst enthalten, aber sehr bald geht die 
Umwandlung weiter und es bildet sich, wie schon oben erwähnt, ein 
wie Stärke mit Jod sich blau färbender Körper (Granulöse), dann Dex 
trin und endlich Glucose. 
Auch verdünnte Alkalien und noch viel leichter verdünnte Mi 
neralsäuren bewirken bei anhaltendem Kochen Umsetzung, nur sind 
dann die Uebergänge nicht so leicht zu unterscheiden. In diesem 
Falle sind aber die physikalischen Eigenschaften der Membran schon 
lange vor der endlich stattfindenden Lösung sehr verändert und die 
scheinbar noch unveränderte Faser hat ihre Elasticität und Festigkeit 
mehr oder weniger verloren. 
Um diese zerstörende Veränderung der Cellulosemembran hervor 
zubringen, sind schon die geringsten Spuren von Mineralsäuren hin 
reichend, und es macht sich dieselbe oft in empfindlicher Weise be 
merkbar, wenn z. B. Gewebe oder Papierstoff, nachdem sie mit Säuren 
behandelt in unvollständig ausgewaschenem Zustande getrocknet wer 
den. Erhitzt man Cellulose mit caustischem Kali auf 160° C., so bildet 
sich eine Masse, deren wässerige Lösung beim Neutralismen mit einer 
Säure einen Niederschlag bildet, welcher die Zusammensetzung und all 
gemeinen Eigenschaften der Cellulose hat; aber sowohl in der Kälte als 
in der Wärme in Alkalien löslich ist. Dieser Körper ist demnach 'als 
eine Modification der Cellulose anzusehen. 
Selbst der lange fortgesetzten Einwirkung des kochenden Wassers 
vermag die Cellulose nicht absolut zu widerstehen. Die hierdurch ver- 
anlasste Veränderung ist zwar (unter diesen Umständen eine nur sehr ge 
ringe, aber unter erhöhtem Drucke wird dieselbe merklich gesteigert 2 ). 
Es ist bei dieser Gelegenheit zu bemerken, dass die meisten rohen 
Pflanzenfasern einen gewissen Antheil von Cellulose enthalten, welcher 
in den angeführten Reagentien viel leichter löslich ist, und es dürfte 
dieses Verhalten demnach auf das Vorhandensein einer verschiedenen 
Modification der Cellulose schliessen lassen. 
Von eigentlichen Lösungsmitteln der Cellulose kennt die Chemie 
bis jetzt nur das Kupferoxydammoniak, welches nach vorhergehender 
Aufschwellung die reine Cellulose vollständig und, wie es scheint, un 
verändert löst, indem aus der Lösung durch verdünnte Säuren die 
*) J. Pelouze, Compt. rend. XLYIII, p. 327. Wagn. Jahrb. 1859, 401. 
j Hoppe-Seyler, Ber. chem. Ges. 1871, 15, erhielt beim Erhitzen von 
schwedischem Filtrirpapier mit Wasser auf 200° während 4 bis 6 Stunden 
Oxyphensäure (Pyrocatechin). Mulder (Jahresber. 1863 , 567) beobachtete, 
dass sich beim Erhitzen von schwedischem Filtrirpapier auf 200° eine kleine 
Menge Zucker bildet.
	        
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