256 Gruppe III. Chemische Industrie.
kosten des Betriebes absorbiren daher unter allen Umstän
den, auch bei sehr billigen Kohlenpreisen, einen sehr er
heblichen Betrag des *Mehrertrages, und es befinden sich
gewiss Diejenigen in einem gewaltigen Irrthuine, welche
glauben, durch die zu erwartende Mehrausbeute in einer,
oder auch nur in zwei Campagnen, die Anschaffungskosten
der theueren Apparate wiedorzuerhalten.
Wenn man nun einürtheil darüber abgeben soll, welcher von den
drei neuen Apparaten der empfehlenswertheste ist, so bezeichnet der
Verfasser nach seiner Ueberzeugung für Verhältnisse, wo Ueberfluss
an kaltem Wasser vorhanden ist, den Bohm’schen Apparat als
den verhältnissmässig vollkommensten, weil durch denselben äussere
störende Verhältnisse am besten ausgeschlossen werden. Wo es an
Wasser fehlt, dürfte zur Anschaffung des Hollefreund’schen Apparates
zu rathen sein, welcher gleichfalls in seinem Betriebe sehr befriedigende
Resultate giebt. Endlich, wo man sich vor durchgreifenden Verände
rungen scheut, soll man den Henze’schen einführen, dessen Verdienste
oben gleichfalls genügend gewürdigt sind. Jedenfalls soll man aber
mit Einführung eines der neuen Verfahren, welche nunmehr bereits
durch dreijährige Praxis hinlänglich erprobt sind, nicht mehr länger
warten, denn ein Fortschritt gegen das alte Verfahren ist jedes der neuen.
Ganz neu und durch die Praxis noch nicht genügend erprobt ist
Ellenberger’sMaischapparat x ), welcher eine Modification des H e n z e ’ -
sehen Verfahrens darstellt: Aus einem stehenden Dämpfer werden die
Kartoffeln auf eine Reibe, welche in dem mit Wasserkühlung versehe
nen Vormaischbottich angebracht ist, ausgeblasen und dort in einen
Brei von grösster Feinheit verwandelt. Durch dieselbe Reibe soll vor
her das zum Verzuckern bestimmte Malz gleichfalls sehr fein vertheilt
und hierdurch eine sehr bedeutende Malzersparniss ermöglicht werden.
Wie sich die Praxis zu dieser Modification des Henze’schen Verfahrens
stellen wird, bleibt abzuwarten; es ist nicht unmöglich, dass das
Urtheil derselben günstig ausfällt, da für manche Verhältnisse die
Vorrichtungen vonBohm, Hollefreund und Henze zu einer befriedi
genden Zerkleinerung der Maischmaterialien nicht ausreichen. So z. B.
hat die Erfahrung gelehrt, dass die von der Trockenfäule ergriffenen,
in ihrem Stärkemehlgehalt jedoch vollkommen intacten Kartoffeln nach
den oben genannten Verfahren nicht aufgeschlossen wurden, dagegen
hat der Verfasser gezeigt, dass der Stärkemehlgehalt solcher Kartoffeln
vollständig zur Lösung kommt, wenn die Kartoffeln vorher auf einer
Reibevorrichtung (welche in dem betreffenden Falle einer Zuckerfabrik
entlehnt war) zerrieben werden. Dass der Ellenberger’sche Apparat
’) Obiges ist bereits im Frühjahr 1875 geschrieben, inzwischen scheint
sich der Ellenberger’sche Apparat bewährt zu haben.