260 Gruppe III. Chemische Industrie.
Ungarn 24 bis 25 Liter - Procent, bei Anwendung der schwefligen
Säure aber 28 bis 30 Liter-Procent Alkohol in Wirklichkeit gewonnen
werden.
Wie aus vorstehender Angabe zu ersehen ist, hat man in der schwef
ligen Säure ein Mittel gefunden, die Stärke der Maiskörner etwas voll
ständiger aufzuschliessen, und man hat empfohlen, den Mais mit einer
verdünnten schwefligen Säure 24 Stunden einzuweichen, welche auf
100 Kg Mais ungefähr 150 bis 200 g wasserfreier schwefliger Säure
enthält.
Die schweflige Säure kann entweder als käufliches schwefligsaures
Natrium unter gleichzeitigem Zusatz von Schwefelsäure, um die schwef
lige Säure frei zu machen, dem Quellungswasser zugesetzt werden, oder
dieselbe wird in besonderen Apparaten durch Yerhrennen von Schwefel
zu diesem Zwecke erzeugt.
Ein derartiger Apparat ist z. B. von Hatschek 1 ) construirt und
besteht aus einer Verbrennungskammer für Schwefel mit Vorlage
kammer zum Condensiren des unverbrannt überdestillirenden Schwefels;
aus diesen Kammern gelangen die Dämpfe der schwefligen Säure in
einen colonnenartigen Apparat und werden in demselben von Wasser,
welches von oben durch eine Brause einströmt und durch eine Anzahl
siebartiger Platten oder Drahtnetze feiner vertheilt wird, gelöst und
vom Boden der Colonne durch ein nach oben gekrümmtes Rohr als
wässerige schweflige Säure abgeleitet.
Der gewöhnlich übliche Apparat zur Darstellung der schwefligen
Säure besteht übrigens aus Retorten, in welchen Holzkohle mit Schwefel
säure destillirt wird; indessen ist nicht zu leugnen, dass der Hät
schele’sehe Apparat sauberer und zweckentsprechender ist.
Es ist nicht rathsam, ein Uebermaass von schwefliger Säure beim
Verarbeiten von Mais zuzusetzen, da in solchem Falle einerseits die
Gährung gestört werden, wie auch andererseits der Spiritus einen Ge
schmack nach schwefliger Säure annehmen kann.
In Italien wird, namentlich in den südlichen Provinzen, Mais
nicht mit Malz, sondern mit Schwefelsäure verzuckert. Die für dieses
Verfahren gebräuchlichen Apparate bestehen aus kupfernen Digerir-
gefässen, in welchen das Maisschrot mit lOprocentiger Schwefelsäure
bei einem Drucke von 2 Atmosphären behandelt wird. Die Schwefel
säure wird alsdann auf einem Kühlschiffe mit Kalkmilch neutralisirt
und die resultirende Maische wie gewöhnlich vergohren. Die Erfolge
dieses Verfahrens sind jedoch so mangelhaft, die Abnutzung der Appa
rate sogross, dass man, wo es mit den klimatischen Verhältnissen irgend
vereinbar ist, die Spiritusfabriken für Malzverzuckerung einrichtet,
Es mag hier bemerkt werden, dass die Spiritusfabrikation in Italien
!) Hatschek, Dingl. pol. J. C'LXXXYIII, 246.