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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Spiritusfabrikation. *267 
durch Handarbeit mit Krücken umgerührt und durch Luftzutritt ab 
gekühlt wurde. Als sodann nach Einführung des Verfahrens der Dick- 
maischung schwerer zu kühlende Maischen resultirten, construirte man 
das Kühlschiff aus Metall und gab demselben eine kreisförmige Form, 
um die Anwendung eines rotirenden, mechanischen Rührwerkes zu er 
möglichen. Anfangs verwendete man als Metall vornehmlich Kupfer, 
neuerdings fast ausschliesslich das billigere Eisen. Um der Maische 
grössere Mengen kühlende Luft zuzuführen verbindet man das Rühr 
werk mit Windflügeln oder bläst einen starken Luftstrom durch Ven 
tilatoren über die Oberfläche der Maische. 
Weniger Eingang haben die Kühlvorrichtungen von C. Siemens 
(Hohenheim) und L. Siemens gefunden. Der Kühlapparat von C.Sie 
mens besteht aus einem kastenartigen, übrigens sehr compendiösen 
Gefässe aus Eisenblech, in welchem die Maische auf geneigten Ebenen 
herabfliesst und durch einen ihr entgegenkommenden Luftstrom, wel 
chem man im Sommer durch Eis eine niedrige Temperatur geben kann, 
abgekühlt wird. 
Sehr sinnreich verdient der Apparat von L. Siemens genannt zu 
werden. Derselbe, unter dem Namen Exhaustor bekannt, besteht aus 
einer Säule, welche aus mehreren übereinanderstehenden Abtheilungen 
gebildet wird. Die Maische fliesst in die oberste Abtheilung der Säule 
und fällt zunächst auf eine in dieser Abtheilung befindliche Scheibe, 
welche mit einer Geschwindigkeit von 600 bis 800 Umdrehungen in 
der Minute rotirt und hierdurch die Maische, verstäubt, an die Wand 
der Abtheilung schleudert. Dort sammelt sich dieselbe und fliesst durch 
eine trichterartige Verengung in die zweite genau ebenso construirte 
Abtheilung, wo sie wiederum auf eine Scheibe fällt, wieder zerstäubt 
wird und so successive die Abtheilungen des säulenförmigen Apparates 
durchfliesst. Während die Maische so in feinster Vertheilung den Ap 
parat hinabsteigt, wird ihr durch einen im oberen Theile des Apparates 
angebrachten Exhaustor ein kräftiger Luftstrom entgegengesogen. Die 
Urtheile über die Wirksamkeit des Sie mens’schen Exhaustors lauten 
sehr verschieden und häufig nicht gerade günstig für denselben — 
denn es wird einerseits angegeben, dass es im Sommer nicht möglich 
sei, eine ausreichende Kühlung zu erreichen und man häufig gezwungen 
sei, Maischen mit 25 bis 28° C. anzustellen, einer Temperatur, welche 
eine vollkommene Vergährung schon wesentlich beeinträchtige — und 
andererseits wird an dem Exhaustor getadelt, dass derselbe die Maische 
in eine schaumige Masse verwandele, welche in den Gährhöttichen 
höchst unangenehm sei und ein vollständiges Anfüllen derselben un 
möglich mache —, ob es endlich rationell ist, die Maische mit so gros 
sen Luftmengen in Berührung zu bringen, mag gleichfalls dahingestellt 
bleiben.
	        
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