16 Gruppe III. Chemische Industrie.
durch Jodlösung blau gefärbt. Bei fortgesetzter Einwirkung entsteht
eine lösliche Modification der Cellulose neben dem sogenannten Holz
dextrin, welches schwächer als das eigentliche Dextrin nach rechts
polarisirt, und eine noch wenig untersuchte gepaarte Säure, die Holz
schwefelsäure. Nach längerem Kochen der mit Wasser verdünnten
Lösung der Cellulose in Schwefelsäure entsteht endlich Glucose.
Wird Cellulose in Form von ungeleimtem Papier einige Secunden
in mit ihrem eigenen Yolum Wasser verdünnte Schwefelsäure eingetaucht
und danD schnell in Wasser gewaschen, so entsteht durch oberflächliches
Verschmelzen der Zellwandungen der Fasern das sogenannte vegetabi
lische Pergament oder Pergamentpapier, welches in seinem Aussehen
und Verhalten zu Wasser sowie in anderen Beziehungen grosse Aehn-
lichkeit mit der thierischen Membran zeigt. Diese Substanz wird
schon seit längerer Zeit in grossem Maassstabe fabricirt und sind deren
Eigenschaften hinlänglich bekannt.
Concentrirte Chlorzinklösung zeigt ein ganz ähnliches Verhalten
zur Cellulose und es lässt sich auch mit diesem Reagens Pergament
papier darstellen.
Concentrirte Lösung von basisch essigsaurem Blei scheint eben
falls eine ähnliche, obgleich weniger hervortretende Wirkung auf Cel
lulose auszuüben.
Durch Einwirkung von Essigsäureanhydrid auf Cellulose in der
Wärme entsteht die Triacetylcellulose, (C c II 7 (C 2 H : i0) :) 0 5 , eine Substanz,
die ihren Eigenschaften nach als der essigsaure Aether der Cellulose
angesehen werden kann. Ebenso lassen sich die bekannte Schiessbaum
wolle und Collodionwolle, welche durch Einwirkung von Salpeter
schwefelsäure auf Baumwolle entstehen und der Zusammensetzung nach
Trinitro- und (wahrscheinlich) Mononitrocellulose 1 ) sind, als die ent
sprechenden Salpetersäureäther auffassen.
Was die gewöhnlich als Producte der trockenen Destillation der
Cellulose angeführte grosse Reihe von Substanzen anlangt, so bezieht
sich das von ihnen Gemeldete meistentheils auf die Destillationsproducte
des Holzes; da dieses aber weit entfernt ist, reine Cellulose zu sein, so
sind diese Resultate für letztere nicht ganz maassgebend. Dass aber
aus reiner Cellulose unter diesen Umständen neben Kohle, Wasser und
Kohlensäure hauptsächlich Sumpfgas, Methylalkohol, Essigsäure und
Pyrocatechin entstehen, ist mit Bestimmtheit nachgewiesen.
Abgesehen von den erwähnten ätherartigen Verbindungen, den iso
meren Kohlehydraten und den durch tiefer gehende zerstörende Reac-
tionen entstehenden Körpern kennt man bis jetzt keine Derivate, welche
auf künstlichem Wege aus der Cellulose erzeugt werden können. In-
t) Vielleicht ist die Collodiumwolle nicht ein Derivat der Cellulose selbst,
sondern entspricht der oben erwähnten Modification derselben, dem Amyloid.