lieber Alkoholpräparate. 275
Der Aldehyd des Vorlaufs verdankt seinen Ursprung wohl haupt
sächlich dem Reinigungsverfahren des Rohspiritus. Bekanntlich pas-
sirt der auf etwa 50 p. C. verdünnte Alkohol eine Reihe eiserner Cylin-
der, welche mit frisch geglühter Holzkohle angefüllt sind. Die Kohle
wirkt nicht nur mechanisch durch Absorption der Fuselöle, sondern
auch chemisch mittelst des in ihr condensirten Sauerstoffs. Beim Be
triebe bemerkt man, dass der kalt aufgegossene Spiritus sich schnell
auf 30 bis 40» erwärmt, der in der Kohle verdichtete Sauerstoff ver
brennt ausser riechenden ätherartigen Körpern einen beträchtlichen Theil
des Alkohols und zwar vorzugsweise zu Aldehyd. Auch in dem Fall,
dass ausser der Kohle, wie in den meisten Fabriken geschieht, noch
andere Reinigungsmittel zur Anwendung gelangen , hat man es stets
mit oxydirenden Substanzen, wie Chlorkalk, Chamäleon etc., zu thun,
welche in demselben Sinne wie die Kohle wirken. Im Rohspiritus fin
det man keinen Aldehyd, während bei der Destillation des durch Kohle
entfuselten Alkohols im Anfänge grosse Mengen dieses Körpers auftreten.
Anders verhält es sich mit dem Nachlauf; die in demselben vor
kommenden Körper, von denen Propyl-, Isobutyl- und mehrere iso
mere Amylalkohole mit Bestimmtheit nachgewiesen wurden, sind
Spaltungsproducte des Zuckermoleculs, also bei der Gährung selbst
entstanden. Ihre relativen Mengen waren bisher immer nur sehr an
nähernd, wie z. B. in der Arbeit von Pinner und Krämer 1 ), bestimm
bar. Dass man unter anderen den Propylalkohol stets nur in geringer
Menge nachwies, hat seinen Grund darin, dass der grösste Theil sich
in dem zwischen dem Alkohol und dem eigentlichen Nachlauf aufge
fangenen sogenannten Nachlaufspiritus findet und so mit in diese, als
unreiner Spiritus verkaufte Flüssigkeit übergeht. Will man daher den
Propylalkohol als solchen verwerthen, so muss man die Rectification so
modificiren, dass der letzte Theil dieses Spiritus für sieh gesammelt
wird; es gelingt dann beträchtliche Mengen Propylalkohol daraus ab
zuscheiden. Thatsache ist ferner, dass die bei der Gährung auftreten
den Mengen höherer Alkohole gegen Ende der Brennperiode zunehmen,
dass also beim Aufbewahren der Kartoffeln das Stärkemehl derselben
eine gewisse Umwandlung erleidet, wodurch ein grösserer Bruehtheil
sich nicht mehr im Sinne der Formel
C 6 H 12 0 6 = 2C 2 H 6 0 + 2C0 2
spaltet. (Vergleiche auch den Aufsatz über Spiritusfabrikation von Dr.
M. Märcker, Bd. II, S. 211 dieses Berichtes.)
Da die Reindarstellung des Spiritus in einem besonderen Artikel
dieses Werkes behandelt wird, so können wir uns hier auf die Gewin
nung der Nebenproducte beschränken.
Die Aufarbeitung des Vorlaufs geschieht in geeigneten Fractions-
l ) Ber. ehern. Ges. 1869, 401; 1870, 75.
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