Pflanzenfaser.
17
dessen geht aus gewissen Erscheinungen in der inneren Oekonomie
der Pflanze hervor, dass aus der Cellulose unter dem Einflüsse des
Vegetationsprocesses eine ansehnliche Menge von Zersetzungsproduc-
ten entstehen, und man hat besonders in neuerer Zeit eine Reihe
längst bekannter Substanzen als solche Umsetzungsproducte erkannt
und für viele andere die Entstehung aus Cellulose als wahrscheinlich
hingestellt.
Es gehören hierher die schon erwähnten incrustirenden Substanzen,
schleimgebende Gewebe, Traganth, Bassorin, Arabin, Pectose, Fett,
Wachs, Harze u. a. J ). Abgesehen von dem theoretischen Interesse
verdienen diese Umsetzungen der Cellulose besondere Beachtung, da
die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass ähnliche Producte im
Laufe der technischen Aufbereitungsprocesse der Pflanzenfaser sich
bilden und für die experimentelle Erforschung derselben Wichtigkeit
erlangen können.
Das textile Pflanzengewebe. Es wurde bereits erwähnt, dass
nur die langzellige und verdickte Faser als solche technische Verwen
dung findet und zwar entweder in der Form der noch zusammenhän
genden Zellenaggregate oder als gänzlich isolirte Zellen, und man kann
demnach erstere als Pflanzenfaser im weiteren Sinne von der Pflanzen
faser im engeren Sinne oder primitiven Faserzelle unterscheiden.
In der Seilerei und der Herstellung gröberer Gewebe werden
meistens die rohen Faserbündel direct verarbeitet, in der Textilindustrie
ist dagegen schon eine weitergehende Zertheilung erforderlich, um den
Process des Spinnens zu feinen Fäden möglich zu machen. Es kom
men in diesem Falle entweder vollständig isolirte Zellen, wie bei der
Baumwolle und cottonisirten Böhmeriafasern oder die noch theilweise
aneinander haftenden Zellen, wie bei Flachs, Hanf, Jute und dergleichen
zur Anwendung. Bei der Papierfabrikation ist endlich die möglichst
vollständige Isolirung der Zellen ein Haupterforderniss für alle besse
ren Qualitäten von Papier und reicht die Zertheilung bis zu diesem
Grade dann auch für alle Zwecke vollständig aus, da selbst die dick
sten Zellen dünn genug sind. Dass im Laufe der Zubereitung des
Papierstoffs im Holländer die Zellen nicht allein in der Länge redu-
cirt, sondern sehr häufig auch theilweise zerquetscht und der Breite
nach zertheilt werden, ist eine Zufälligkeit, aber kein Erforderniss.
Das rohe Zellengewebe, wie es zur Erzeugung der feinen Fasern
verwendet wird, enthält stets eine beträchtliche Menge fremder Be-
standtheile und es ist die Aufgabe des Aufbereitungsprocesses, dieselben
unbeschadet der Faser selbst zu entfernen.
Diese Nebenbestandtheile sind zum Theil in Wasser löslich, wie
') A. Wigand, Jahrb. f. wissensch. Botanik III, 171.
Wiener Weltausstellung. III. I. 2.